Oberon, or The Elf King's Oath (Oberon, král Elfů)

Carl Maria von Weber

Romantická opera o třech dějstvích Oberon byla poprvé uvedena v londýnské Covent Garden 12.4.1826.
 
Libreto napsal autor společně s Jamesem Robinson Planché (podle William Shakespeara: "Sen noci svatojánské"a "Bouře"a podle Christoph Martin Wielanda: "Oberon", do angličtiny přeložil William Sotheby).
Osoby a obsazení premiéry:
Oberon, král víl – Charles Bland (tenor)
Titania, jeho choť – Smith (mluvená role)
Drol a Puk, skřítkové – Harriet Cawse (alty)
Dvě mořské panny – (soprány)
Harun al Rašid, bagdádský kalif – Chapman
Rezia, jeho dcera – Mary Ann Paton (soprán)
Fatima, její otrokyně a družka – Lucia Elizabeth Bartolozzi-Vestris (mezzosoprán)
Babekan, perský princ – Baker
Almandor, tuniský emír – Cooper
Rošana, jeho choť – Lacy
Abdaláh, mořský loupežník – Horrebow
Huon z Bordeaux, vévoda Guiennský – John Braham (tenor)
Šerasmin, jeho panoš – John Fawcett (baryton)
Děj se odehrává ve Francii, Bagdádu a Tunisu kolem roku 800 n.l.


 
1. dějství: Oberon se zle pohádal s Titánií, kdo je v lásce stálejší, muž či žena? Zapřisáhl se, že Titánii nechce dřív vidět, dokud nenajde takový pár, který by si zůstal věrný za každých okolností. - Skřítkové Puk a Drol objevili takové dva lidi, jen je třeba svést je k sobě. Mužem je rytíř Huon z Bordeaux, ženou kalifova dcera Rezia z Bagdádu. Jsou tedy od sebe značně daleko. Ale to se dá překonat. Huon zabil v souboji syna Karla Velikého. Za trest je poslán do Bagdádu s těžkm úkolem: má v Bagdádu při dvorní slavnosti zabít kalifova pobočníka a políbit kalifovu dceru. Pak mu bude odpouštěno. - Huon už se vydal na cestu s panošem Šerasminem. Oberon se mu zjeví a slíbí mu pomoc, jakmile Huon zaduje na roh, který mu Oberon dává. Pak jsou čarodějně přeneseni oba, Huon i Šerasmin, ke kalifovu dvoru.
 
2. dějství: I Rezii přičaroval Oberon ve snu obraz Huonův jako Huonovi obraz Reziin, a tak se oba milují dříve, než se poznají. Rezia ovšem netrpělivě očekává, kdy se objeví onen snem slíbený cizinec, aby ji osvobodil od nevítaného nápadníka, perského prince Babekana. Huon s Šerasminem skutečně vtrhnou na slavnost, Huon Babekana zabije a zvukem Oberonova rohu znehybní všechny přítomné. Tak Rezia s otrokyní Fatimou mohou snadno uprchnout s Huonem a Šerasminem. Pak se objeví Oberon a napomíná Rezii, aby zůstala Huonovi vždy věrná. Nato všechny čtyři přenese do přístavu Aksalonu, odkud se mají lodí vydat do Evropy. - Proměna: Zkoušky věrnosti začínají. Puk způsobil divokou bouři, která člun uprchlíků vyvrhla na pusté pobřeží. Huon vynesl z vln omdlelou Rezii, ale zatímco hledá pomoc, loupežníci Rezii unesou a Huona pak omráčí. Oberon káže Pukovi, aby rytíře přepravil tam, kam mezitím lupiči odvážejí Rezii, to jest k tuniskému emíru.
 
3. dějství: Šerasmin a Fatima, kteří se z bouře také zachránili, se dostali do otroctví tuniského emíra. V sadu objeví Huona, kterého už sem Puk přenesl, a potěší ho zprávou, že Rezii právě téhož rána emír rovněž koupil jako otrokyni. Emírovi se Rezia velmi líbí a tak je její láska vydána pokušení. Rezia pevně odolává všem svodům, ač se domnívá, že Huon v bouři zahynul. Také Huon musí mezitím osvědčit svou stálost, neboť ho svádí emírova manželka Rošana, aby se pomstila svému muži za to, že kvůli Rezii ji zavrhuje. Huon sice pevně odmítá její lásku, ale přece jen vzbudí nedůvěru emíra, který i Rošanu dá odvést do vězení a Huona odsuzuje k upálení. Rezia se rozhodne zemřít s ním, ale není toho třeba, protože pohotový Šerasmin zaduje na roh, celý emírův dvůr se roztančí v nedobrovolném tanci a Oberon odměnou za to, že Huon i Rezia mu svou věrností pomohli ke smíru s Titanií, odváží je na kouzelném voze do Cách na dvůr Karla Velikého. Císař hrdinovi odpouští jeho čin a s celým dvorem ho slavně vítá.
 



LIBRETO




Ouvertüre


DROLL

Lasst mich erzählen, wie mein Herr, Oberon, der König der Elfen, durch die Liebe zweier Menschen mit seiner Gemahlin Titania versöhnt wird!


ERSTER AKT


ERSTE SZENE

Feengarten im Reiche Oberons, in üppig blühender Blumenpracht. Oberon liegt schlafend auf dem Blumenlager. Genien und Feen sind in einem Tableau gruppiert, das sich bis zum Beginn des Gesanges nur wenig bewegt. Zum Anfang des Chores erscheinen die Elfen, um sich vereint mit den Genien in verschiedenartigen Gruppierungen zu zeigen. Alle tragen Lilienkränze auf dem Kopf und halten Lilienstengel in den Händen


Introduktion


ELFENCHOR

singt ganz leise

Leicht, wie Feentritt nur geht,

Durch den Raum, ihr Elfen, weht!

Viel zu laut die Quelle tönt! Zu laut!

Viel zu laut der Zephyr stöhnt! Zu laut!

Jagt die wirre Mücke fort!

Lasst die Bien' nicht summen dort!

Auf dem Lilienlager liegt

Oberon, im Traum gewiegt!

Schlummer schloss sein Augenlid,

Das so lang der Schlaf vermied.


SOLI

O brächt er Ruh' und sanfte Lust

In unsers trauernden Königs Brust!


CHOR

Leicht, wie Feentritt nur geht,

Durch den Raum, ihr Elfen, weht!

Viel zu laut die Quelle tönt!

Viel zu laut der Zephyr stöhnt!

Zu laut! Viel zu laut!


Droll und Puck kommen rasch hinzu


DROLL

zu den Elfen

Fort mit euch ... Steht nicht länger müssig hier herum.


PUCK

betrachte Oberon mit grosser Teilnahme

Warum sieht Oberon auch im Schlaf so traurig aus?


DROLL

Sein Kummer ist so tief, dass jedes Lächeln darin ertrinkt.


PUCK

Noch immer?


DROLL

Ja, mein lieber Puck. So harmlos es auch anfing, Die Königin Titania fand den Frühling schöner als den Herbst. Ein paar Nächte vorher hatte sie wieder den Herbst wegen seiner schönen Farben über alles gelobt. »Du bist unbeständig wie jede Frau«, sagte darauf unser Oberon. Und lächelte.


PUCK

Er hätte sagen müssen »unbeständig wie der Mann!«, lieber Droll.


DROLL

Ja - Titania gab ihm auch gleich dieselbe Antwort. »Unbeständig wie der Mann!«


PUCK

Oder - wie die Menschen, Droll.


DROLL

Hoffentlich sind die Menschen klüger und lieben einander noch glühender als sie miteinander streiten. Sonst …  Ach, lieber Puck, ich spreche es lieber gar nicht aus.


PUCK

Was ist sonst?


DROLL

Sonst kommt ein grosses Unglück über unsere ganze Elfenwelt. Denn Oberon und Titania haben einen sehr schlimmen Schwur getan. Sie würden einander nie mehr lieben, bevor nicht zwei Menschen der Welt bewiesen, dass sie sozusagen alle beide recht hätten.


PUCK

nickt

Aber wo gibt es solche Menschen?


DROLL

Das ist ja der Kummer.

Deshalb seufzt doch der König im Traum.


PUCK

Und du bist trotzdem so guter Laune?


DROLL

Mit Seufzen ist niemand geholfen. Ich habe unterdessen schon mit dem Suchen begonnen.


PUCK

Und jetzt berichtest du dem König?


DROLL

Ja … Aber still davon. Nur wenn Oberon selbst davon zu reden beginnt …


Puck macht eine Gebärde der Enttäuschung


DROLL

lächelnd

Es sieht mir aber ganz danach aus …


Oberon richtet sich auf, wie aus einem schweren Traum erwachend


Arie


OBERON

Schreckensschwur! - Dein wildes Quälen

Selbst im Schlummer niemals ruht!

Leiden weckst du, nicht zu zählen,

Fachst nur an die inn’re Glut!

Immer Angst und immer Schmerzen,

Doppelt, wenn der Traum verweilet,

Unnennbare Pein im Herzen,

Doch kein Balsam, der sie heilet.

Schreckensschwur! – Dein wildes Quälen

Selbst im Schlaf nicht ruht!

Leiden weckst du, nicht zu zählen,

Fachst nur an die inn’re Glut!

Schreckensschwur!


Droll und Puck kommen ehrfürchtig näher


DROLL

redet ihn mit einer tiefen Verbeugung an

Erlaube uns, grosser König …


OBERON

erwacht völlig

Ach, mein Puck! Und du, Droll, guter Freund …


DROLL

Ich bin nur dein Diener, grosser König.


OBERON

lächelt

Aber der klügste ...


DROLL

Man bemüht sich, liebster Herr. Die ganze Nacht hab ich gesucht.

Von Ost bis West, von Pol zu Pol.


OBERON

überrascht

Hast du sie am Ende schon?


DROLL

Ich bin erst am Anfang. Er ist da und sie ist dort, und die halbe Welt ist zwischen ihnen. Er ist ein Ritter am Hof des Kaisers Karl und heisst Hüon von Bordeaux. Sie ist die Prinzessin Rezia, die Tochter des grossen Kalifen Harun al Raschid. Wenn diese beiden sich so beständig über alle Massen erweisen, wie man annehmen muss, dann ist dein Schwur erfüllt und dann … nun du weisst ja, grosser König.


OBERON

zärtlich

Dann kehrt Titania zu mir zurück!


DROLL

Aber Titania wird nur dann den Schwur als erfüllt ansehen, wenn die Prüfungen so hart werden, wie es der Streit war.


OBERON

Noch länger suchen?


DROLL

Erst müssen sie schon einander finden. Aber dann wieder verlieren und wieder finden und trotzdem nicht voneinander lassen. Hüon ist mit seinem Waffenmeister Scherasmin an unserem Zauberwald vorübergezogen, da war nur noch ganz wenig nötig. Ein paar tanzende Sonnenstrahlen, eine raunende Stimme, und schon habe ich ihn hinter mir hergezogen, wie ich wollte. Gleich wirst du ihn sehen, grosser König.


Hüon und Scherasmin kommen nach vorne


HÜON

Es kam wie Gesang aus der Luft. Ihre Stimme!


SCHERASMIN

Sagen S'endlich, Euer Gnaden, wie diese rätselhafte »Sie« heisst. Das ist doch eine unnötige Quälerei. Eine Geliebte ohne Namen! Eine Schönheit, die man nicht sieht. Eine Braut, von der man nur träumt. Da hätt ich mir längst eine beigebogen, die ich vor mir hab …


HÜON

Wer wirklich in der Tiefe liebt, ist für alle blind … bis er die Geliebte gefunden hat.


SCHERASMIN

Ich weiss nicht, wie tief Ihre Gefühle sitzen, Euer Gnaden. Meine wohnen in der Gurgel und im Magen. Einen Hunger hab ich, dass ich weinen möcht, und einen Durst!


HÜON

Hörst du nicht, Scherasmin? Alles tönt und klingt. Auf einmal werde ich auch so müde.

sinkt um


SCHERASMIN

lagert sich wie er

Ich rieche einen guten Braten.

Und der gute Wein …

sinkt in Schlaf


HÜON

Geliebte Braut …


In der Mitte des Hintergrundes ziehen sich die Blütenranken nach oben, und wie in einem Blumenrahmen wird ein kleiner persische Kiosk sichtbar, in dessen Mitte Rezia sitzt, mit einer Laute in der Hand


Vision


REZIA

Warum musst du schlafen, o Held voll Mut?

Ein Mädchen sitzt weinend an Babylons Flut!

Auf, rette sie dir, eh als Opfer sie sinkt!

Güienne, zu Hilfe, die Schönheit dir winkt!


OBERON

bewegt seinen Zauberstab

Genug!


Die Blütenranken schliessen sich wieder und die Vision verschwindet


SCHERASMIN

schaut um sich

Hilfe, Herr Hüon! Wo sind wir?

geht zu ihm und rüttelt ihn

Aufwachen! Aufstehen!


HÜON

wehrt sich; noch im Halbschlaf

Lass mich doch …

sehnsüchtig

Du holdes Bild!

wacht endlich völlig auf

Was war das eben?


SCHERASMIN

sieht sich misstrauisch um

Am Ende waren wir richtig verzaubert? In dieser merkwürdigen Gegend muss man schon auf alles gefasst sein.


HÜON

Dann hat die Qual des Suchens ein Ende …


SCHERASMIN

Das ist mir eine schöne Zauberei, die einen so mir nix dir nix ums schöne Leben bringt.


OBERON

tritt, gefolgt von Puck und Droll, vor die beiden

Habt keine Sorge. Ich bin dein Freund, Herr Hüon von Bordeaux.


HÜON

Du kennst mich?


OBERON

Freilich!


DROLL

fällt ein

Wir wissen auch, dass du hier die Frau suchst, die von Anbeginn für dich bestimmt ist. Weil du sie im ganzen Frankenland nicht gefunden hast, bist du über das Meer gekommen.


HÜON

Ich würde über alle Meere der Welt fahren.


OBERON

Das wirst du auch noch tun müssen.


DROLL

einfallend

… aber schon mit ihr, nach der du dich sehnst …


HÜON

Wer kann so etwas versprechen?


OBERON

mit Würde

Ich bin Oberon, der König der Elfen.


SCHERASMIN

Nix als schöne Worte und gute Ratschläge. Davon kann man nicht fett werden!


DROLL

Was willst du sonst von uns?


SCHERASMIN

Das ist für mich kein Ratschlag, der mir nicht rät, wo wir zuschlagen müssen. Das sag uns, lieber Herr! Dann holen wir uns schon die Braut und alles, was dazugehört.


OBERON

lächelnd

Du wirst zufrieden sein, lustiger Bursch.


Er winkt nach rückwärts. Zwei Elfen bringen auf einem Polster zu Hüon ein Horn, zwei andere Genien treten zu Scherasmin: auf ihrem Polster steht ein goldener Becher


OBERON

Nimm dir das Horn, Hüon von Bordeaux.


DROLL

Bläst du leise hinein, Hüon, wird dir sogleich ein Zauber aus der Ferne helfen. Bläst du mit ganzem Atem, dann rufst du Oberon selbst.


HÜON

Oh, das versteh ich, Nur der findet ganz die Liebe, der sich ihr ganz hingibt.


SCHERASMIN

Was soll ich denn mit dem Becher da … ?


OBERON

Trink daraus, wenn du in Bedrängnis bist.


SCHERASMIN

Oh, dann bin ich immer in Bedrängnis.

nimmt und trinkt

Das ist ja grossartig. Da wird man sofort dreimal so couragiert.

Komm, trink mit mir, fescher Geist!

hinter Puck her. Puck entwischt ihm


HÜON

Vorwärts, Scherasmin! Worauf wartest du noch?

geht voraus

Oder willst du jetzt nicht mehr, weil es ernst wird?


SCHERASMIN

trinkt rasch aus dem Becher

Von mir aus bis ans Ende der Welt, Herr Hüon.

Wenn man so ausgerüstet wird …

Da riskier ich jeden Krieg …


Feen, Genien und Elfen erscheinen zu Tänzen und Gruppierungen. Hüon von Bordeaux hält sich rechts vorn auf. Oberon inmitten der Feen, Genien und Elfen. Scherasmin links vorn


Ensemble


FEENCHOR

Ehre und Heil dem, der treu ist ed brav!

In Oberon zeigt sich stets ein Freund!

Doch weh für den Feigen, Verräter und Sklav'!

Die Rache der Feen bereit erscheint.

Ehre und Heil dein, der treu ist und brav!

Ehre und Heil!


HÜON

zu Oberon

Sei ein Führer mir, holder Geist!

Zu dem Thron des Ungläubigen leite mich,

Dort sei der Arm, sei das Herz bewährt,

Dort zeig' die Treu' deines Hüon sich.


OBERON

Es küsst die Sonne den Purpursaum,

Der um Feenlauben fliesst,

Oft muss sie sinken in jene Flut,

Eh, sterblicher Ritter, vergönnt dir ist

Zu nahen Bagdads Schloss.

Doch sieh! Mein Lilienzepter weht,

Und Bagdad liegt vor dir.


In der Mitte des Hintergrundes ziehen sich die Blütenranken wieder nach oben, und wie in einem Blumengarten, von der Abendsonne beleuchtet, wird am Ufer des Tigris die Stadt Bagdad sichtbar


HÜON

Kann ich meinen Augen trau'n?

Ja, auf gold'ne Zinnen hier

Sich das Abendrot ergiesset,

Und der Strom in reicher Zier

Schnell zu seinem Meere fliesset.

Doch ach, wo find' ich sie,

Die mir Liebe im Schlummer hat gespendet?

Floh sie denn auf ewig mich?

Hat der Klang denn ganz geendet?


OBERON

Getrost, mein Held, getrost!

Nach Ruhme strebe kühn!

Nur fort, die Lieb' wird dir in Babylon erblühn.


Er verschwindet unauffällig inmitten der Feen und Elfen


ELFENCHOR

Eil, o Held! Liebe und Ruhm,

Sie werden bald dein schönes Eigentum!

Eil, o Held, Liebe und Ruhm,

Lieb' sei dein Eigentum!


HÜON

Sei ein Führer mir, holder Geist!

Zum Kalifen leite mich!

Dort sei der Arm, sei das Herz bewährt!

Holder Geist, sei mein Führer,

Leite zu dem Gottverworf’nen mich!

Dort sei der Arm, sei das Herz bewährt,

Dort zeig' die Treu' deines Hüon sich!

Sei mein Führer! - Du holder Geist! -


Feen, Genien und Elfen verschwinden nach allen Seiten hin. Oberons Blumenlager versinkt; die Blütenranken ziehen sich vor dem vollen Anblick der in der Abendsonne liegenden Stadt Bagdad nach oben, unten und nach den Seiten hin zurück


ZWEITE SZENE

Auf einer Strasse aus dem Zauberwald Oberons nach Bagdad


SCHERASMIN

kommt mit Droll und Hüon; er geht ein paar Schritte vor den beiden

Immer voran, Herr Hüon! Jetzt ist schon lange genug gescheit geredet  worden. Ich hab einen Hunger


DROLL

Und dein Becher?


SCHERASMIN

Das ist es ja: Wenn man in einem fort trinkt, braucht man erst recht eine Unterlag' für den Magen.


DROLL

Ich will dir noch einen Rat geben, bevor du weiterziehst, Hüon.


HÜON

Wie ich Rezia gewinne?


DROLL

Ihr Herz hast du längst. Du musst jetzt nur dazusehen, wie du sie am besten aus dem Palast des Kalifen bringst.

reicht ihm und Scherasmin zwei kostbare Röcke

Verkleidet euch mit diesen Röcken. Auf diese Weise könnt ihr ungehindert in den Palast hineinkommen und euch unter die Grossen des Kalifen mengen.


SCHERASMIN

Aber das Schwert behalten wir unter dem Rock! Und wenn's keiner vermutet, schlagen wir drein.


DROLL

Ihr seid nur zwei gegen Unzählige. Aber wenn es schlimm wird, gebraucht das Horn.


SCHERASMIN

Wird Oberon wirklich erscheinen, wenn wir ihn rufen?


DROLL

Gewissi Aber dann dürft ihr eins nicht vergessen: dass der nächste Tag vielleicht noch schlimmere Not bringt.


HÜON

Not, wenn ich meine Rezia für immer habe? Was fehlt mit dann noch zu meinem Glück?


DROLL

Du musst erst entdecken, wo es für dich wächst,


HÜON

Aus eurem Zauber?


DROLL

Nein, Hüon, viel seltsamer.

Aus Eurem Leid!


Er verschwindet. Hüon und Scherasmin blicken ihm überrascht und nachdenklich nach. Dann fasst Hüon, weiterschreitend, neuen Mut


Arie


HÜON

Von Jugend auf in dem Kampfgefild',

Die Lanze hoch und vor den Schild,

Stets da, wo sich der Mann erprobt,

Am wild'sten Schlacht und Kampflust tobt.

Führend des Vaters Schwert,

Stolz, dass sein Name mich ehrt;

Im Herzen noch die Liebe schwieg.

Mein einz'ges Streben: Sieg! Sieg! Sieg!-

Jetzt giesst sich aus ein sanft'rer Glanz

Auf meines Lebens Wogentanz,

Der Schönheit Lächeln mildert zart

Des Ruhmes wilde Männerart.

Süss, wie des Abends Weh'n,

Stern in der Nacht so schön,

Nichts reizender's dir je verblieb

Um mich zu fesseln: Lieb'! Lieb'! Liebe! –

Ob aber auch neues Gefühl mich durchbebt,

Doch stets noch die frühere Glut mich belebt!

Sein ohne Lieb' welch' düst'rer Trauerflor!

Doch Sein ohne Ehre, den Tod zög' ich vor!


DRITTE SZENE

Eine offene Halle im Harem des Kalifen Harun al Raschid


Finale


REZIA

allein

Eil, edler Held! Befreie dir

Die Braut, die deiner wartet hier!

Eh' soll die Hand mir Tod verleih'n '

Als eines andern sein, denn dein!

Ja, o Herr! Mein Heil, mein Leben!

Rezia ist für ewig dein,

Liebe wusste wohl zu prägen

Meiner Brust dein Siegel ein.

Ja, im Herzen ruht dein Bildnis,

Dort bestimmt es ganz mein Los!

Ja, im Herzen ruht dein Bildnis,

Wie der Tropfen in der Tulpe

Taugetränktem Liebesschoss.

Ja, o Herr! Mein Heil, mein Leben!

Rezia ist für ewig dein


FATIME

tritt eilig ein, freudig

Glück! Freude! Gerettet sind wir in der Not!

Auf! Er ist da und trotzet kühn dem Tod!


REZIA

erwartungsvoll

Da? ? Wo? ? Süsse Fatime, rede weiter fort!


FATIME

Heut abend führte zu Namuna ihn der Zufall!

Nein, das Schicksal! Fürwahr, das Schicksal!

Dort, ganz Wort für Wort, hört er,

was dir im Traum erschien,

Und schwur zu retten ans den Fesseln dich,

Wo nicht, den Tod für sich!


REZIA

Sagt' ich's nicht? Sagt' ich's nicht?


Duettino


BEIDE

O welches Glück!


REZIA

Seine Nähe trag' ich kaum!


FATIME

Sie erträgt es kaum!


BEIDE

O, welches Glück!


REZIA

Seine Nähe trag' ich kaum!


FATIME

Sie erträgt es kaum!


BEIDE

O welches Glück! O welches Glück!

Hoffnung gab ihn mir/ihr zurück!

Liebe hat erfüllt den Traum!

Hoffnung gab ihn mir/ihr zurück!

O welches Glück, o welches Glück!


REZIA

Seine Nähe trag' ich kaum!


FATIME

Sie erträgt es kaum!


BEIDE

O seine Nähe  trag' ich/trägt sie kaum!

Hoffnung gab ihn mir/ihr zurück!

Seine Nähe trag' ich/trägt sie kaum!

iebe hat erfüllt den Traum!

Hoffnung gab ihn mir/ihr zurück!


FATIME

Horch, Herrin, horch! Auf der Terrasse Bahn

Schon hört man des Harems Wächter nahn,

Und sieh', die Sklaven kommen sacht,

Weil schon zut Ruhe ruft die Nacht.


Rezia and Fatime kommen vor und geben einander Zeichen des geheimen Einverständnisses. Die Janitscharenmusik bewegt sich langsam auf die Terrasse. Mesru, der sehr dicke Anführer der Haremswächter, erscheint wackelnd mit ihnen. Dreissig Mann Wachen von ebendaher, nehmen hinter der Musik Aufstellung


CHOR

Dunkel ist es schon und spät,

Und von jedem Minaret

Stimmen zum Gebet schon riefen,

Die Lüftchen selbst entschliefen.

Länger bleibt nicht hier am Ort,

Fort zur Ruh, fort, fort, fort, fort!


Der Vollmond steigt herauf und überflutet mit seinem Licht die Halle


REZIA

beiseite

Seele, froh in Jubelklängen,

Wie soll ich zurück dich drängen?

Nur zu laut tut dich ja kund

Das glüh’nde Aug'; beredter Mund!

Dass dich nicht verrat' ein Wort,

Fort zur Ruhe, fort, nur fort!


CHOR

Länger bleibt nicht hier am Ort,

Fort zur Ruh'; fort zur Ruh'!

Dunkel ist es schon und spät,

Und von jedem Minaret

Stimmen rufen zum Gebet!

Das Lüftchen selber schlafen geht,

Fort, drum fort! Fort, nur fort!

Nur fort, nur fort!


Die Janitscharenmusik bewegt sich langsam hinweg





ZWEITER AKT


ERSTE SZENE

Ein prächtiger Saal im Palast Harun al Raschids in Bagdad. Harun al Raschid sitzt auf seinem Thron, um den Babekan und die Grossen des Reiches stehen. Leibwachen sind rechts und links zur Seite aufgestellt. Vor dem Thron, mit gekreuzten Armen, Diener


CHOR

Ehre! Ehre! Ehre! Ehre!

Ehre sei dem mächt'gen Kalifen und Preis!

Beugt euch, Gläub'ge, tief in den Staub vor seiner Macht!

Fluch treff' den Ungläub'gen, der es wagt zu trotzen ihm,

Wenn er, sowie der Morgen lacht, entfliehen sieht die Nacht.

Ehre sei dem grossen Kalifen und Preis!


BABEKAN

beugt sein Knie vor dem Kalifen

Grosser Herrscher aller Gläubigen! Deine Tochter Rezia ist nicht nur das Kind des weisesten Fürsten auf dieser Welt. Sie ist auch ihr schönstes Mädchen. Ich kann mich vor Ungeduld nicht fassen …


HARUN AL RASCHID

Du bist klug und höflich, Prinz Babekan. Du wirst bald König von Persien sein, dann bist du der mächtigste unserer Freunde. Aber Frauen beugen sich lieber vor einer anderen Macht: der Liebe.


BABEKAN

Ich will alles tun, damit sich das Herz Rezias mir zuneigt.


HARUN AL RASCHID

Dann streng deinen Kopf an, Prinz Babekan! Wie wir es unserer Rezia recht leicht machen, dass sie dir als ihrem Herrn folgt. Sei erfinderisch …


BABEKAN

Ich will sie nicht wie eine Beute fordern, und sei sie die kostbarste.

Nein, es soll sein …


HARUN AL RASCHID

fällt lachend ein

… oder doch so scheinen …


BABEKAN

… als folge sie ihrer freien Wahl! Fordere sie nur auf, sie möge auf den Mann zugehen, dem sie sich in Liebe ergibt. Dann wird sie leichter wollen …


HARUN AL RASCHID

… was sie muss. Du bist recht klug, Babekan!


Ballett


DROLL

Während des Tanzes treten Hüon und Scherasmin - als arabischer Fürst und dessen Diener verkleidet - in den prächtigen Saal des Palastes ein, rechtzeitig zu Rezias Bräutigamwahl. Rezia geht zunächst einige Schritte in Prinz Babekans Richtung.  Plötzlich aber, wie von unsichtbarer Macht gelenkt, kehrt sie sich zur anderen Seite und geht auf Hüon zu. Hüon und Rezia haben sich gefunden! Der Kalif und Prinz Babekan sehen ihren Plan durchkreuzt. Als sie aber Hüon und Scherasmin von der Palastwache festnehmen lassen wollen, bläst Hüon in Oberons Zauberhorn. Sogleich versinken die Angreifer in tiefe Erstarrung - Hüon und Rezia retten sich in den Palastgarten. Und Scherasmin, der Schelm, hat vorher nicht versäumt, die schöne Sklavin Fatime durch einen Kuss wieder zu erwecken. Fatime erwacht sogleich aus der Erstarrung und lächelt ihm freundlich zu


SCHERASMIN

Mir scheint, das gefällt dir? Also da capo!

küsst sie noch einmal!


FATIME

packt ihn und zieht ihn mit

Komm.


SCHERASMIN

Wohin, mein schönes Kind?


FATIME

Zu Rezia und deinem Herrn.


ZWEITE SZENE

Dichter Garten hinter dem Palast des Kafifen


SCHERASMIN

in zärtlicher Umarmung mit Fatime

Das ist eine reizende Skala! Mit einem Kuss wirst du von einer Statue zu einem zärtlichen Schatz, mit dem zweiten bist du schon anhänglich. Was wird das erst beim zehnten und hundertsten Kuss sein?


FATIME

Du hast doch nur Unsinn im Kopf!


SCHERASMIN

Oh … jetzt hab ich überhaupt erst einen Sinn in dem ganzen orientalischen Abenteuer gefunden! Seit ich einen so bildhübschen Unsinn im Arme habe.


FATIME

Du hast noch gar nicht gesagt, ob du mich liebst?


SCHERASMIN

Ob ich dich liebe? Warte mal!

tut, als müsse er scharf nachdenken

Wenn dich einer fragt, schmeckt dir dieser Wein? Was wirst du tun? Du wirst ihn kosten! So mach ich's auch! Ich koste dich.

küsst sie


FATIME

Und ob ich dich lieb habe? Das willst du gar nicht wissen?


SCHERASMIN

Was ich nicht weiss, macht mir nicht heiss. Aber was mir heiss macht, das weiss ich. Allerdings - jetzt fällt mir dazu etwas Schreckliches ein.

lässt sie los


FATIME

Was hast du, Scherasmin?


SCHERASMIN

Vielleicht liebst du mich nur in Bagdad, weil du immer im Harem eingesperrt warst?


FATIME

schmiegt sich an ihn

Hab' keine Sorge. Ich bin treu, wenn ich einmal liebe.


SCHERASMIN

Oh. So kokett ist man nur, wenn man lügt …


Ariette


FATIME

Arabiens einsam Kind,

Der Wüste Mädchen bloss,

Die Künste nicht bekannt mir sind,

Zu ziehn der Liebe Los.

Arabiens einsam Kind,

Der Wüste Mädchen bloss,

Gleich abgepflücktem Blatt bin ich,

Das auf dem Bache schwimmt;

Ein Weilchen, dann verliert es sich

Spurlos, wie's ihm bestimmt.

Doch wenn mich Freundes Hand

Dem Wellenspiel entriss',

Und trüg' mich in ein fernes Land,

Blüht' ich ihr neu gewiss.

Und Nachtigall wohl trennt' man eher

Von ihrer Rose ab,

Als ich des Herzens Ruhe stört',

Wo Lieb' mir Heimat gab.


SCHERASMIN

Das ist schön von dir, Fatime. Aber damit dir die Liebe eine neue Heimat gibt, dazu müssen wir vorerst einmal in der Heimat sein.


Rezia und Hüon kommen in grosser Eile von der anderen Seite


HÜON

Rasch. Scherasmin! Wir müssen uns zu den Schiffen durchschlagen, bevor alle erwachen!


SCHERASMIN

zieht Fatime hinter ich her

Höchste Zeit, dass wir uns aus dem Staub machen, bevor sie uns in den Staub werfen.


HÜON

aufjubelnd

Askalon! Meine Heimat!


Oberon macht Droll ein Zeichen, ihm zu folgen, beide verschwinden im Dunkeln


SCHERASMIN

in übermütiger Laune

Nach Askalon! Gnädige Prinzessin Rezia, und du meine muntere Fatime, wisst ihr, was das heisst? Nach Frankreich geht es!


Quartett


HÜON UND SCHERASMIN

Über die blauen Wogen,

Über die Fluten hier,

Stern von Arabiens Töchtern,

Sprich, willst du ziehn mit mir? Sprich!


REZIA UND FATIME

Hätten die Wogen nicht Grenzen,

Nicht Küste die Meerflut hier,

Doch zöge Arabiens Tochter

Furchtlos dahin mit dir.


ALLE VIER

An Bord denn! - An Bord denn, an Bord!

Fort, da der Himmel rein,

Und günstig weht der Wind!

Die Herzen sind treu wie unser Boot,

Und hell von Hoffnung,

Wie Segel in der Sonne Schein!

An Bord, an Bord, da der Himmel rein!

An Bord, an Bord, da günstig weht der Wind!

An Bord, an Bord, an Bord!


DRITTE SZENE

Kurze Felsenlandschaft. Es ist finster. Nur Puck allein ist in ihr zu erkennen


Solo, Chor und Sturm


PUCK

beschwörend den Lilienstengel schwingend

Geister der Luft und Erd' und See!

Geister der Glut in heil'ger Höh'!

All, die gebieten Flut und Wind,

Kommt hierher, ihr Geister, geschwind!

Ob ihr gebannt in die Höhlen ein,

Karg nur beleuchtet von Demantschein;

Oder in den Wassern tief,

Wo die Perl' gefesselt schlief;

Oder dort in Himmeln weit,

Wo kein Auge Beistand leiht;

Oder im Spalt eines Felsens dort,

Wo die Lava kocht noch immer fort;

Geister, wo immer auch eu'r Revier,

Kommt hierher, ihr Geister, kommt hierher zu mir!

Es ruft euch, Geister, nah und fern,

Durch mich Gebot eures Oberherrn!


Luft-, Erd-, Wasser- und Feuergeister, Sylphiden, Feen eilen in verschiedenfarbigen Verhüllungen von allen Seiten herbei; die Feuergeister tragen brennende Fackeln. Puck in der Mitte. Die Geister umringen ihn mit lebhaften Gebärden


CHOR DER GEISTER

Wir sind hier! Wir sind hier!

Sprich, was soll geschehn?

Soll'n wir spalten den Mond?

Soll'n wir verfinstern die Sonn'?

Soll'n wir schaffen den Ozean von Grunde aus leer?

Sprich! Wir tun's, und noch viel mehr!


PUCK

Nein! Nein! Ihr braucht nur vorderhand

Ein Boot zu schleudern in den Strand;

Da Feenmacht dies tun nicht kann,

Such' ich bei euch um Beistand an.


CHOR DER GEISTER

Nichts als das?

lachend

Ho, ho! Ho, ho! Ho, ho!

Leicht're Arbeit nie ich sah.

Wog' und Wind! - Hoch auf und hohl!

Horch! - Geschehn. - Leb' wohl! Leb' wohl!


Donner und Blitz. Puck und die Geister verschwinden, woher sie gekommen. Es wird dunkel. Die Felsenlandschaft verschwindet unauffällig nach oben. Unter dem Leuchten der Blitze erscheint ein ödes Felsengestade am Meeresufer. Gewitterdunkelheit. Rechts ein Felsenlager, hinter dem ein Pfad nach oben führt. Ein Sturm rast unter Donner und Blitz über die Wasserfläche, und ein Wrack wird von rechts nach links vorübergetrieben


Sturmmusik


Gebet


HÜON

kniend

Vater! Hör' mich flehn zu dir!

Schon', o schon' die Blüte hier!

Und muss es sein, so treff' dein Donnerschlag allein

Nur mich, der schuld an dieser Pein!

Schon', o schon' die Blüte hier!

Vater, hör' mich flehn zu dir!

Schon', o schon' die Blüte hier!


REZIA

erwacht langsam

Hüon!


HÜON

Rezia! Du lebst!


REZIA

richtet sich auf

Wo sind wir, Hüon?


HÜON

Der Sturm hat unser Schiff zerstört, und die Brandung hat uns hierher geworfen.


REZIA

Warum rufst du nicht unseren Freund Oberon?


HÜON

Ich habe das Horn verloren. Aber …

wendet sich nach rechts

Ich will vom nächsten Hügel ausschauen. Vielleicht wohnen Menschen in der Nähe. Oder ich bringe Wasser und Früchte.


geht rasch ab


Rezitativ und Ozean-Arie


REZIA

Ozean, du Ungeheuer! Schlangen gleich

Hältst du umschlungen rund die ganze Welt!

Dem Auge bist ein Anblick voll Grösse du,

Wenn friedlich in des Morgens Licht du schläfst!

Doch wenn in Wut du dich erhebst, o Meer,

Und schlingst die Knoten um dein Opfer her,

Zermalmend das mächtige Schiff, als wär's ein Rohr,

Dann, Ozean, stellst du ein Schreckbild dar. –


Die Wellen werden etwas ruhiger und heller


Noch seh' ich die Wellen toben,

Durch die Nacht ihr Schäumen schleudern,

An der Brandung wild gehoben,

Jede Lebenshoffnung scheitern! –


Die durch die Gewitternacht verdrängte Abendsonne zerteilt in einzelnen Strahlen die Wolken


Doch, still! Seh' ich nicht Licht dort schimmern,

Ruhend auf der fernen Nacht,

Wie des Morgens blasses Flimmern,

Wenn vom Schlaf er erwacht?


Die Wellen werden immer ruhiger


Heller nun empor es glühet

In dem Sturm, dess' Nebelzug

Wie zerrissne Wimpel fliehet,

Wie wilder Rosse Mähnenflug! -


Die Abendsonne strahlt hell und voll am Himmel


Und nun die Sonn' erstrahlt! Die Winde lispeln leis;

Gestillter Zorn wogt nur im Wellenkreis.

Wolkenlos strahlt jetzt die Sonne

Auf die Purpurwellen nieder,

Wie ein Held nach Schlachtenwonne

Siegreich eilt zur Heimat wieder. -


Das Meer wird ganz ruhig, und die untern Wolkenschichten zerteilen sich


Ach, vielleicht erblicket nimmer

Wieder dieses Aug' ihr Licht!

Lebe wohl, du Glanz, für immer!

Denn für mich erstehst du nicht. -


Die Sonne geht unter. Ein Schiff zieht entfernt von rechts nach links vorüber


Doch was glänzt dort schön und weiss,

Hebt sich mit der Wellen Heben?

's ist die Möwe, sie schweift im Kreis,

Wo die Flut raubt ein Leben!

Nein - kein Vogel ist's! - Es naht!

Heil! Es ist ein Boot, ein Schiff!

Und ruhig segelt's seinen Pfad,

Ungestört durch das Riff. –

O Wonne! Mein Hüon! Zum Ufer herbei!


Sie nimmt den Schleier ab, der sie umhüllt, und gibt damit nach dem Schiffe hin ein Zeichen


Schnell! Schnell! Diesen Schleier! Er weht!

O Gott, sende Rat!

Sie sehn mich! Schon Antwort! Sie rudern mit Macht!

Hüon! Hüon! Hüon! –

Mein Hüon! Mein Gatte! Die Rettung, sie naht!

Rettung naht! Rettung naht! Rettung naht!


Sie will nach links hinten ab


DROLL

Doch Rezia hat sich getäuscht: Es ist ein Seeräuberschiff! Nicht die erhoffte Rettung naht, sondern eine neue schwere Prüfung steht bevor. Die Piraten fangen  Rezia und schleppen sie auf das Schiff. Abdallah, der Anführer, wird sie seinem Herren, Almansor, dem Emir zu Tunis, als Sklavin verkaufen. Hüon, von den Piraten niedergeschlagen und schwer verwundet, bleibt am Ufer zurück. Da erscheint über dem Meere, in einem Muschelboot von zwei Schwänen gezogen, Oberon …


Oberons Ankunft


Das Boot schwebt ans Ufer, der König der Elfen steigt aus und beugt sich über den wie leblos daliegenden Hüon


DROLL

Er tut mir so leid.


ODERON

Mir scheint, du willst ihm schon wieder helfen?


DROLL

Ja, grosser König. Aber gerade darum bitte ich dich, ihm auch weiterhin kein Leid zu ersparen. Denn nur so kann er zum Ziele kommen.


OBERON

Sieben Tage soll er im Traum liegen. Und dann bring' ihn nach Tunis. Dort soll er im Garten des Palastes aufwachen und wieder gesund und kräftig sein.


DROLL

Sein Körper! Aber sein Herz muss leiden …


OBERON

Ja, bis er die letzte Probe besteht … Und jetzt lass uns heimkehren.


DROLL

Darf ich etwas anderes raten, grosser König? Du musst etwas nachholen.


OBERON

Hier am Meer?


DROLL

Ja, gerade hier, wenn du nicht zürnst. Wegen der Liebenden hast du das Meer bewegt. Erlaube, dass ich nun auch für deine treuen Elfen ein Meeresschauspiel ausdenke und in Bewegung setze.


OBERON

nickt

Gut, mein kluger Droll.


Droll bewegt nach allen Seiten seinen Lilienstengel. Meermädchen tauchen aus den Fluten auf und wogen darin hin und her. Puck erscheint mit ihnen und tritt zu Droll


PUCK

Sieh, die Meermädchen! Oberon, dein Reich beginnt!


ERSTES MEERMÄDCHEN

O wie wogt es sich schön auf der Flut,

Wenn die müde Welle im Schlummer ruht!

Leise verschwand der Sonnenschein,

Und sich die Sterne dort oben reih'n.

Und sich der Nachthauch hebt so sanft und mild,

Düfte entatmend aus fernem Gefild.

O wie wogt und singt sich's hold,

Trocknend der nassen Locken Gold.


Oberon und Puck wenden sich nach hinten


ZWEITES MEERMÄDCHEN

O wie wogt es sich schön auf der Flut,

Wenn die stille Nacht ihr am Busen ruht!

Der Wächter lehnet im Dämm'rungsschein

Über dem Turm, den die Zeit stürzt ein,

Bekreuzt sich, murmelt ein frommes Gebet

Und horcht auf das Lüftchen, das zaub’risch weht.

O wie wogt und singt sich's hold,

Trocknend der nassen Locken Gold.


PUCK

vortretend

Meister, sprich! Es ist getan!

Soll'n wir tanzen auf dem Plan,

Oder in der Mädchen Sang

Mischen froher Lieder Klang?


OBERON

Besser'n Lohn verdient hast du,

Ich verweil' und seh' ihm zu.


PUCK UND OBERON

bewegen ihre Lilienstengel

Hierher, hierher, ihr Elfen all!

Kommt, tanzt nach der Nymphen melod'schem Schall!

Eilt und beweiset den Mädchen der Flut,

Dass die Geister der Erde auch froh und gut.

Kommt so reizend und seid so schön,

Wie Blüten im Hauche des Sommers wehn.

Hierher! Hierher! Hierher, ihr Elfen all,

Tanzt nach der Nymphen melod'schem Schall!


Aus dem Wasser tauchen Meermädchen auf und kommen ans Land; von beiden Seiten, von oben und unten zeigen sich Nymphen, Elfen und Feen; zuletzt von oben Luftgeister mit transparenten Sternen


PUCK, NYMPHEN, SYLPHIDEN, MEERMÄDCHEN, LUFTGEISTER

Wer blieb' im korallenen Schacht,

Wenn der Mond auf stillen Wogen lacht,

Und die Sterne schmücken das blaue Haus,

Wo nächtlich sie gehn, wandern ein und aus?

Wohlgemut! Wohlgemut segelt fort!

Über der See glühn, so mild sie dort,

Über der See glühn so blass sie dort!

Wohlgemut! Wohlgemut segelt fort!

Wer blieb' im korallenen Schacht,

Wenn der Mond auf stillen Wogen lacht,

Und die Sterne schmücken das blaue Haus,

Wo nächtlich sie wandern ein und aus?

Wohlgemut! Wohlgemut segelt fort!

Über der See glühn so mild sie dort!

Wohlgemut! Wohlgemut segelt fort!


OBERON, ELFEN

Wer schlief in der Lilie Schoss,

Wenn der Mond scheint über Wald und Moos,

Und die Sterne schmücken das blaue Haus,

Wo nächtlich wandern sie ein und aus?

Wohlgemut! Wohlgemut tanzen wir!

Ufer entlang bei der hellen Zier,

Bei der hellen Zier tanzen wir!

Wohlgemut! Wohlgemut tanzen wir!


Der Meeresgott zieht auf einem mit Wassergeistern gruppierten, mit Wasserblumen und Schlingpflanzen verzierten Fahrzeug herbei; von rechts und links nahen Wassernymphen mit Blütenstäben in den Händen; die Blumen und Blüten flammen alle plötzlich auf in glühendem Licht





DRITTER AKT


ERSTE SZENE

Palastgarten des Emirs Almansor zu Tunis. Links vorn ein grösserer Busch mit einer Bank davor. Sonnenaufgang. Scherasmin gräbt und arbeitet als Gärtner. Die Gärtnertracht wirkt an ihm ungewonhnt und reizt zum Lachen. Fatime kommt langsam von hinten. Ein paar Schritte vor Scherasmin bleibt sie stehen; auch sie belustigt der komische Anblick


SCHERASMIN

klatscht in die Hände

Du siehst ja reizend aus, Fatime!


FATIME

Wirklich? Ich habe mich schon gefürchtet, dass ich dir gar nicht mehr gefallen werde.

dreht und wendet sich

So ohne Schleier und ohne Schmuck?


SCHERASMIN

Jetzt sieht man doch erst, was wirklich an dir dran ist, meine Liebe. Den schönen Mund, die weichen Wangen … die zarte Brust … und überhaupt … zum Anbeissen!

wird sehr zärtlich


FATIME

wehrt sich ein bisschen

Wenn jemand kommt …


SCHERASMIN

Was kann uns denn noch geschehen? Sklaven sind wir ja nun einmal!


FATIME

Du bist gar nicht mehr verzweifelt darüber?


SCHERASMIN

Warum? Unser schönes Schiff ist gescheitert … Das war ein Unglück. Dann wurden wir von einem anderen Schiff entdeckt und pudelnass aufgefischt. Das war ein Glück.


FATIME

Dann zeigte es sich, dass dieses Schiff ein Räuberschiff war …


SCHERASMIN

Das war ein Unglück. Aber liess man uns deshalb hungern und leiden? Nein. Nur fette Hühner und glänzende Fasane kann man gut verkaufen. Und also auch nur gut genährte Sklaven. Das war wieder ein Glück.


FATIME

Aber dann stellte man uns auf dem Sklavenmarkt von Tunis aus …


SCHERASMIN

Das war ein Unglück. Doch dann kaufte uns der Gärtner des Emirs …


FATIME

fällt rasch ein

Das war ein Glück.


SCHERASMIN

Falsch! Das war nur ein Zufall. Aber dass man uns dann beisammen liess und dass der Gärtner sich gerade auf ein Paar kaprizierte, dass wir beisammen blieben - siehst du, das war ein wirkliches Glück.

Sie küssen einander immer wieder


FATIME

macht sich frei

Aber dass wir jetzt weder das Horn Oberons noch den Becher haben … Das ist doch ein Unglück.


SCHERASMIN

Es nötigt uns, dass wir uns nur auf uns verlassen. Und das ist wieder ein Glück. Denn die Liebe macht erfinderisch, und darauf kommt es an. Auf das Finden und noch  mehr auf das Suchen. Denn wenn sie auch Hüon und Rezia so aufgefischt haben wie uns, so werden die beiden sogleich einander suchen, wie sie es schon vorher getan haben. Und dann werden wir eines Tages wieder alle beisammen sein. Pass nur auf.


FATIME

Und dann geht es heimwärts.


SCHERASMIN

Nach Marseille, Fatime.


FATIME

Nein, nach meiner Heimat! Jetzt bist du doch schon so gut an die Hitze gewöhnt. Und auch an die Kost.


SCHERASMIN

Ohne Hammelbraten, darüber liesse sich noch reden. Aber ohne Wein, Fatime …


FATIME

Ist denn der Wein alles? Du weisst gar nicht, wie schön es in Arabien sein kann.


Arie


FATIME

Arabien, mein Heimatland,

Du Land, so teuer mir!

Ist's doch, als flög ich übers Meer,

Wär' wiederum in dir.

Und säh' dort meines Vaters Zelt

Dicht unterm Dattelbaum;

Und der Klang der Töne der Fröhlichkeit

Erschallt mir wie ein Traum.

Da hört' ich bei leisem Zitherschlag

Ein Mädchen singen einmal,

Von Zenab, die dem Serdar entfloh

Mit dem Jüngling ihrer Wahl.

aufstehend

Al, al, al …

Sei's auch finstere Nacht! Al, al, al …

Doch der Morgen für mich und für Jussuf erwacht!

Ob die Blumen des Gartens geschlossen sich auch,

Blüht doch Rose des Herzens im Liebeshauch.

Al, al, al … Bald vorbei die Gefahr!

Hinter uns Anderun und der harte Serdar.

Al al, al …

Al, al, al …

Horcht, es wiehert sein Ross! Al, al, al …

Beweise, mein Berber, dich treu dem Genoss'!

Durch die salzige Wüste geht's schnell wie ein Blick,

Es bleibet die Angst mit den Türmen zurück.

Al, al, al …    Auf der Grenze wir nun!

Und wir lachen des Herrn und des Anderun.

Al, al, al …


SCHERASMIN

Oho! Glaubst du, nur bei euch geht es so lustig zu, du wirst die Augen aufreissen, wenn du erst einmal mit mir am Strande der Garonne spazieren gehst …


FATIME

Was werden da deine Freunde zu der dunkelhäutigen Frau sagen, die du mitgebracht hast?


SCHERASMIN

Sie werden ihr fränkische Komplimente und schöne Augen machen. Aber mehr erlaube ich nicht, merk dir das …


Duett


SCHERASMIN

An dem Strande der Garonne

Mich im Lenz des Lebens freuend,

Als allein ich laufen konnte,

Knuff und Puff und Stoss nicht scheuend,

Arbeit meidend, liebend Spass,

Waffenfeind, kein Weinverächter,

Prügelnd jedes Nachbars Sohn

Und küssend alle Nachbarstöchter.


Fatime tritt böse und trotzig von Scherasmin fort


Oh wie floh'n die Tage schön,

Dort an jenes Flusses Höh'n!

Oh wie floh'n die Tage schön,

Dort an der Garonne Höh'n,

Dort an jenes Flusses Höh'n!


FATIME

An dem Strom des Bendemir

Sah zuerst das Licht ich glänzen;

Dort verlebt ich Jahr für Jahr

Bei der Wellen leichten Tänzen;

Wanderte mit meinem Stamm,

Wo der Dattelbaum sich neigte,

Oder grüner Weideplan

Für der Herde Schar sich zeigte.

Unbekannt war Kummer mir

An dem Strom des Bendemir.


SCHERASMIN

Sich geändert hat die Zeit!


FATIME

Ausgelöscht der Freude Flammen!

Wir sind Sklaven! Sklaven!


SCHERASMIN

Was kümmert das?

Sind wir Sklaven doch zusammen!

Darum fröhlich so wie treu

Lass uns jubeln, singen, lieben;

Graben erst und schnäbeln dann,

Wie's Adam schon und Eva trieben!


BEIDE

Also fröhlich so wie treu!

Lass uns jubeln, singen, lieben;

Graben erst und schnäbeln dann.

Wie's Adam schon und Eva trieben.


Von der Höhe senkt ich ein Blütenwagen nieder, in dem Droll Hüon in den Garten des Emir bringt und sorgsam auf die Erde bettet


DROLL

beugt sich voll Teilnahme über Hüon

Erwache Hüon! Und wenn du dich völlig verlassen findest, ohne Waffen und Horn, dann erwache erst recht zu dir selbst. Bewähre die Kraft deiner Liebe. Rette dich und Rezia - rette das Glück Oberons.


Er entschwindet auf dieselbe Art, wie er die Szene gelangt ist


HÜON

erwacht wenige Augenblicke später

Wo bin ich? Allein? Verlassen von allen?

ruft

Rezia! Ach, weiss Gott, wo sie ist …

Er läuft nach rückwärts

Kein Horn! Kein Oberon!


Dreht sich in der Mitte der Bühne um und kommt langsam nach vorne. Scherasmin kommt von der anderen Seite. Hüon bleibt, sobald er in erkennt, ganz starr vor Überraschung stehen


SCHERASMIN

hält es ebenso, Dann sagt er vor sich hin:

Ich wundere mich nicht! Nein, ich wundere mich nicht.


HÜON

Scherasmin! Lieber, treuer Scherasmin!


SCHERASMIN

eilt auf ihn zu. Umarmt ihn

Lieber, lieber Herr!


HÜON

Scherasmin als Gärtner! Wenn das die Leute an der Garonne wüssten …


SCHERASMIN

Sie würden sich wundern.


FATIME

kommt von links and entdeckt mit glücklichem Staunen Hüon bei Scherasmin

Unser lieber Herr …


SCHERASMIN

Ja, Fatime, gesund und kräftig! Wenn er gestern neben uns auf dem Sklavenmarkt gestanden wäre, der Gärtner hätte für uns zwei nicht den halben Preis bezahlt. Und wir wären heute noch dort zu haben, wie ein paar altbackene Semmeln.


HÜON

Der Gärtner hätte schlecht gekauft. Was nützte ihm ein Unglücklicher, den keine menschliche Macht wieder zu m Menschen machen kann, der er einmal war?


FATIME

mischt sich ein

Das kann bald anders werden, Herr Hüon.


HÜON

traurig

Unmöglich, gute Fatime. Nur Rezia könnte mich trösten. Und Rezia ist geraubt und verschleppt.


FATIME

Jetzt werdet ihr aber staunen!


SCHERASMIN

Ich wundere mich nicht. Nein, ich wundere mich über nichts.


HÜON

aufschreiend

Du weisst etwas von Rezia?


FATIME

Alle Schiffe, die nach dem Scheitern des unseren auf dem Meer kreuzten, waren Räuberschiffe. So ist auch Rezia gewiss von Räubern ergriffen worden.


HÜON

fällt ein

Ja! Korsaren haben sie vor meinen Augen fortgeschleppt.


FATIME

Dann ist richtig, was alle hier flüstern, Die Korsaren hätten eine arabische Prinzessin vor den Emir gebracht, und der Emir hätte sie in den schönsten Pavillon gesperrt.


HÜON

Ich bin der Glücklichste und zugleich …


SCHERASMIN

fällt ein

Ich weiss … zugleich der Unglücklichste. Das ist in der Liebe nun einmal so.


HÜON

Rezia ist nur hundert Schritte von mir, und ich bin schwach und ohnmächtig.

ringt die Hände

Was ist da zu tun?


SCHERASMIN

Das ist doch klar!

Zuerst werden wir mit dem Gärtner sprechen. Er wird dich hier behalten und arbeiten lassen. Und dann werden wir uns neu auf unser Abenteuer einstellen und wo es nottut, blitzschnell umstellen. Und niemand wird uns eine Falle stellen, weil wir uns selbst so rasch und gut verstellen …


Terzett


HÜON

So muss ich mich verstellen?


SCHERASMIN

Dies führt zum Ziel allein.


HÜON

Doch zittern mög' der Freche,

Der Rache will ich ihn weih'n!


Er tritt mit Scherasmin beratend einige Schritte nach hinten


FATIME

vorne

Unsichtbarer, voll Macht und Licht,

Der du die Tugend belohnest durch Glück:

Oh sende dem Bravsten der Ritter nun

Die Schönste der Schönen auch bald zurück!


Hüon und Scherasmin treten vor


HÜON

Geist, hoch verehrt, steh uns bei,

Schütze mein Schwert und mein Herz so treu!


SCHERASMIN UND FATIME

Geist, hoch verehrt, steh uns bei,

Schütze sein Schwert und sein Herz so treu!


ZWEITE SZENE

Säulenhalle im Palast des Emirs Almansor zu Tunis. Rezia auf einem Ruhelager im Vordergrund


Kavatine


REZIA

Trauere, mein Herz, um verschwundenes Glück!

Tränen, entströmt für das Hoffen, das floh!

Kummer ist jetzt noch mein einziges Gut,

Wie Peris vom Tau leb' von Tränen ich so;

Und sei auch für andre wohl trübe ihr Quell,

Mir ist er wie Himmelsgewässer so hell.

Ihr, die ihr sonnt euch im Strahle der Lust,

Segler auf goldener Hoffnungen Flut,

Ein Wölkchen kann euch nahn, die Woge euch droh'n,

Die Zukunft euch bringen voll Dunkel und Grau'n!

Doch die Geissel der Wüste traf mein Herz, ach, so schwer;

Abgestorb'ner Baum scheut den gift'gen Hauch nicht mehr!


ALMANSOR

tritt durch die erste Seitentür rechts ein, geht auf Rezia zu und sagt schmeichlerisch:

Wie kann man nur so traurig sein, wenn man so schön ist wie du, Rezia? Du brauchst doch bloss mit dem Finger zu winken und hast alles, worum man nur eine Frau beneidet …


REZIA

Mich könnte nur eines frohmachen. Und das vermagst du nicht! Kein Mensch kann Tote erwecken.


ALMANSOR

Dann halte dich doch an das Leben.


REZIA

Hüon hält mich fest …


ALMANSOR

Versuch erst, ob ich nicht stärker hin?

Er fasst sie an, Rezia wehrt sich


ABDALLAH

kommt von links und tritt zu dem Emir

Sollen wir sie wieder auf das Schiff bringen und in Sizilien verkaufen? Ich tausch' sie dir gern gegen eine andere, die nicht so starrköpfig ist.


ALMANSOR

Du bist ein grober Klotz, Abdallah. Hast du nicht gesehen, wie viel Leidenschaft in ihr steckt? Ich bin zufrieden. Heute habe ich das erstemal einen Vorgeschmack bekommen, wie sie lieben kann. Man muss Geduld haben …


geht ab


DROLL

Weit weniger geduldig verhält sich in unserem Liebesreigen Almansors Frau, Roschana. Sie hat im Palastgarten den schönen Sklaven Hüon bei der Arbeit beobachtet und ist in heftige Leidenschaft zu ihm verfallen, Abdallah, von ihr geschickt, flüstert Hüon heimlich zu, dass ihn eine schöne Frau von Geblüt zu sehen wünscht, und bezeichnet ihm, wie er von dem Garten, ohne dass es auffällt, in Roschanas Garten gelangen kann. In dem Glauben, dass dies ein Zeichen von Rezia sei, eilt Hüon in den Palast. Doch nicht auf Rezia trifft er, sondern auf Roschana, die ihm ihre Liebe gesteht. Als Hüon beteuert, dass er nur eine Frau auf der Welt liebt, Rezia, und dass nichts ihn verführen kann, versucht Roschana, ihn zu umgarnen …


Chor, Solo und Ballett


CHOR

der tanzenden Mädchen und Sklaven

Für dich hat Schönheit sich geschmücket,

Die Lust den Becher voll ergossen;

O schlürf ihn aus! Die Blume gepflücket,

Eh die Rose welkt, eh der Wein vergossen! -


HÜON

Fort! Fort! Den Blumen, die ihr preist,

Gift in den Kelchen kreist,

Und des Bechers Purpurflut

Scheint gerötet mir von Blut.


Er macht sich frei. Roschana umschlingt ihn und hält ihn zurück


CHOR

Wenn Frauenaugen liebend glüh'n,

Kannst du scheu'n dies Zauberlicht?

Hast du noch das Herz zu flieh'n,

Wenn dich ein weisser Arm umflicht?

Kannst du flieh'n, ja, kannst du flieh'n,

Wenn dich ein weisser Arm umflicht?


HÜON

Kein Frauenauge besel'gend grüsst,

Das der Sinnlichkeit glüh'nde Flamme schiesst;

Dem Aug' des Toten gleicht es so,

Wenn die Seel', die's belegt, daraus entfloh.

Nie spendet Glück und nie Liebeshuld

Der Versuch'rin Hand, die voll Schmach ist und Schuld.

Über mein Herz hast du nicht Gewalt;

Drum weiche zurück! Deine Hand ist kalt.


Er reisst sich von Roschana los. Die tanzenden Mädchen kommen ihm zuvor und gruppieren sich so, dass er nicht entfliehen kann


CHOR

O wende dich nicht von dem Mahle der Lust!

Verlier nicht Momente, nur Sel'gen bewusst.

Des Weisen gedenk', der von dem Mahle schrieb:

»Wie froh wär' das Sein, wenn ein Schatten nur blieb’!«

Drum, Sterblicher, freu dich! Sei glücklich! Verlach den, der sieht,

Dass Leben ein Schatten, und harrt bis es flieht.

Für dich hat Schönheit sich geschmückt,

Die Lust den Becher voll ergossen:

O schlürf ihn aus! Die Blum' gepflückt,

Eh die Ros' verblüht und der Wein vergossen!

O schlürf ihn aus! Die Blum' gepflückt!


DROLL

Hüon reisst sich von Roschana los und will entfliehen - doch zu spät: Almansor entdeckt ihn! Sklaven ergreifen ihn, und der Emir bestimmt seinen Tod: Er soll auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden! Hüons Schicksal scheint besiegelt. Auf dem Markplatz von Tunis wird ein grosser Holzstoss errichtet. Eine schaulustige Menge, unter ihnen Scherasmin und Fatime, strömt zusammen, der Emir mit seinem Gefolge - neben ihm die verschleierte Rezia - haben auf einem Schaugerüst Platz genommen. Da drängt sich Abdallah durch die Menge …


DRITTE SZENE

Platz in Tunis


ABDALLAH

Erhabener Herr! Ich muss mit dir sprechen. Nur ein Wort!


ALMANSOR

Jedes Wort eines Herrschers bedeutet eine Tat. Und wünsche dir lieber nicht, Abdallah, dass ich jetzt handle. Das könnte schlimm für dich ausgehen.


ABDALLAH

Handeln! Gerade das ist es, was ich jetzt will, erhabener Fürst.

Wir müssen etwas aushandeln.


ALMANSOR

Nicht hier und nicht jetzt.


ABDALLAH

Gerade hier und gerade jetzt. Du kommst nie mehr so billig davon, Emir.

winkt den Korsaren, die mit ihm gekommen sind. Die Korsaren stellen drei grosse Kisten vor dem Emir ab

Diese drei Kisten wurden heute von der Flut an den Strand geworfen.


ALMANSOR

zeigt sich sogleich habgierig

Alles, was das Meer an den Strand wirft, gehört mir.

beugt sich über die zweite und dritte Kiste

Schmuck! In beiden Kisten! Armer Abdallah! Was sollst du und deine Matrosen mit Schmuck anfangen? Du kannst dir doch nicht die Ohren stechen lassen und Ringe in ihnen tragen.

sucht weiter

Aber, da schau her! Da ist etwas für dich, Abdallah.

Er hebt das Horn Oberons, das in der Kiste liegt, auf

Ein herrliches Kunstwerk.


ABDALLAH

zornig

Eine Kindertrompete!


ALMANSOR

heuchlerisch

Wie gut du dich verstellst. Ein Weltmann und Kunstkenner wie du! Du kommst doch auf alle grossen Märkte. Nach Sizilien, nach Rom und Griechenland. Du weisst ganz genau, dass das ein unschätzbares Stück ist. Du kannst es überall gegen ganze Berge von Gold eintauschen.

wirft ihm das Horn zu

Nimm das Horn, Abdallah, und geh, ehe mich dieser Vergleich reut.


ABDALLAH

wütend

Willst du, dass ich darauf gleich ein Lied zu deinem Ruhme blase?


ALMANSOR

drohend

Das halte wie du willst. Du musst nur gut aufpassen, dass du lange genug den Kopf auf den Schultern behältst, um so zu musizieren …


ABDALLAH

Ich verstehe, grosser Emir, Und ich gehe.

Er geht durch die Menge. Als er bei Scherasmin vorbeigeht, folgt er einer plötzlichen Laune und wirft es Scherasmin zu

Da hast du den armseligen Bettel.


SCHERASMIN

fängt es geschickt auf

Wertloses Zeug! Aber ich nehm's.


FATIME

Das ist doch … das Zauberhorn.


SCHERASMIN

Verstellung, Fatime, Verstellung …


ALMANSOR

steht von seinem Stuhl auf und befiehlt:

Bringt den Sklaven, den ich zum Tod verurteilt habe. Und bindet ihn auf dem Scheiterhaufen fest.


Palastwächter bringen den gebundenen Hüon nach vorne. Als sie ihn an dem Gerüst vorbeiführen, springt Rezia auf und wendet sich flehend an den Emir


REZIA

Almansor!


ALMANSOR

dreht ich zu ihr

Was willst du, Rezia?


REZIA

auf Hüon deutend

Gnade - für diesen Mann.


ALMANSOR

Er ist in meinen Harem eingedrungen und büsst seine Leidenschaft für Roschana. Was hast du mit ihm zu schaffen?


REZIA

Er ist Hüon, mein Gemahl.

Er darf nicht sterben!


ALMANSOR

Willst du sein Schicksal teilen, obwohl er dich betrogen hat?


REZIA

Tausendmal lieber sterbe ich mit ihm, als dass ich ohne ihn lebe.


ALMANSOR

Du wirst gleich hören, wie wenig er diese törichte Treue verdient.

Er winkt ihn zu sich

Komm her, Sklave!


HÜON

wendet sich ihm zu

Sprichst du mit mir, Emir von Tunis?


ALMANSOR

Höre gut zu, Sklave. Ich lasse dich frei! Abdallah wird dich irgendwo an der Küste deiner Heimat absetzen. Und Rezia bleibt bei mir. Du wirst als freier Mann zurückkehren und kannst heiraten, wen du willst.


HÜON

Ich habe nie eine andere als Rezia geliebt, und ich sterbe mit ihr glückselig, wenn es mir nicht vergönnt ist, glücklich mit ihr zu leben.


Er springt auf das Gerüst und umarmt Rezia.


REZIA

ruft jubelnd

Wir sind ein einziges Stück aus der Hand des Schöpfers. Nichts kann uns trennen!


ALMANSOR

in grossem Zorn

Das probt nur gleich im Feuer aus. Auf den Scheiterhaufen mit beiden!


Als Almansor diese Worte ausgerufen hat, setzt der listige Scherasmin das Zauberhorn an die Lippen, und mit dem ersten Ton fangen alle an zu tanzen


Finale


SKLAVENCHOR

Horch! Welch Wunderklingen!

Horch! Woher kommt der Ton?

Horch! Jeder Fuss muss springen

Im lust'gen Tanz hier schon. Horch! Horch!


HÜON, REZIA, SCHERASMIN, FATIME

O Dank! O Dank für des Hornes Macht!

Sie tanzen im Hof und dort im Palast,

Sie tanzen im Garten, sie tanzen im Saal,

Was das Meer begrenzt, was die Stadt umfasst.

Es bringet ein zweiter, stärk'rer Hauch,

Den Elfenkönig nun selbst wohl auch.


Scherasmin bläst stärker ins Horn. Lilien und Palmen zeigen sich von unten, von oben und von den Seiten; in langsamer Bewegung erhebt sich auf einem grossen Globus inmitten dieses Blütenpalastes Titania in den Armen Oberons


OBERON

Heil, treues Paar! Vorbei die Leiden!

Es danket Oberon euch beiden;

Durch euch ward ihm des Siegs Gewinn,

Und neu umarmt er seine Königin.

Schnell wie der Blitz entflieht,

Bring ich dich, Kampfgenoss', hin in Frankens beglückt' Gebiet,

In des Kaisers hohes Schloss.

Wirf dich vor ihm hin mit der schwererrung'nen Braut!

Preis tönet dir durch die Welt, voll und laut.

Sieh, der Zauber endet hier!

Lebe wohl! Mein Dank bleibt ewig dir!

Lebe wohl! Lebe wohl!


Der Blütenpalast Oberons verschwindet nach oben. Szenenwechsel. Man sieht den Thronsaal Kaisers Karl des Grossen. Feierlicher Aufzug der Hofleute. Hüon und Rezia zur Rechten des Thrones


SCHERASMIN

Nun aber rasch auf ein Schiff, bevor die Narren noch einmal auf uns losgehen! Und dann, zum Thron unseres Kaisers!


Marsch


Rezitativ


HÜON

O Herr! Seinem geschworenen Eid getreu,

Kniet Hüon vor deinem Thron aufs neu;

Durch Himmels Beistand hat er nun vollbracht

Was du gebot'st: hat sich aus Bagdad gebracht

Die holde Maid, der nicht vorm Tod gegraut,

Die Erbin seines Throns und jetzt Vasallenbraut.


CHOR

Heil sei dem Helden und seinem Schwert,

Das vom Sarazenen ihm hat die schöne Braut gewährt.

Heil sei der Jungfrau, die über's Meer

Gefolgt ist dem Ritter getreu hierher!

In Bardengesängen die Mär soll erblühn,

Von Rezia der Schönen und Hüon kühn.

 
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