Hänsel und Gretel (Perníková chaloupka)

Engelbert Humperdinck

Premiéra tříaktové opery Perníková chaloupka se konala 23.12.1893 v Hoftheater ve Výmaru. Hned svým prvním provedením si dobyla pohádková opera o dvou zbloudilých dětech klidného, ale bezpečného úspěchu a obliby na německých a brzy i světových jevištích. Je to dílo, které zůstalo ve svém druhu ojedinělé. Všude vzbuzovala obdiv nejen jeho hudba, nýbrž i pohádkové kouzlo lesa a jeho duchů, zbloudilých dětí, čarodějnice a jejího domku z perníku, všude dojímala těžká bída koštětířovy rodiny, realisticky vylíčená v prvním dějství.

Osoby a obsazení premiéry:
Petr, koštětář: Ferdinand Wiedey (baryton)
Kačenka (Gertruda), jeho žena: Luise Tibelti (mezzosoprán)
Jeník (Hänsel), jejich syn: Ida Schubert (mezzosoprán)
Anička (Gretel), jejich dcera: Marie Kayser (soprán)
Klabzuba, čarodějnce: Hermine Finck (mezzosoprán)
Uspávač a Denice: Frl. Hartwig (soprán)
Děti, balet 14 andělů
Dirigent: Richard Srauss

Engelbert Humperdinck je od roku 1890 učitelem skladby ve Frankfurtu nad Mohanem. Jeho sestra Adelheid Wette, nadaná básnířka, vytvořila v této době pohádkovou hru Hänsel und Gretel podle bratrů Wilhelma a Jacoba Grimmů a prosila svého bratra, aby některé verše zhudebnil. Skladatele však verše nadchly natolik, že je spojil s hluboce romantickou hudbou velké krásy do pohádkové opery.


1. dějství: V chudé chatrči koštětáře Petra je nouze a hlad. Ani pro děti není kouska chleba, ač Jeník a Anička už pomáhají rodičům v práci. Děti už se těší, že jim matka uvaří kaši, jen co přijde. Aspoň se trochu proskáčí, aby zapoměli na hlad. Tak je zastihne matka a ve zlosti, že děti místo práce skotačí, honí se za nimi a shodí při tom se stolu poslední hrnec i s mlékem na kaši. To její rozmrzelost ještě zvýší, a proto vyžene děti do lesa na jahody. Za nějaký čas přichází otec a s veselou. Dobře prodal svá košťata, nakoupil vajec a zeleniny a těší se na večeři, shání se po dětech a zděšen, že šly na samou noc do lesa, kde bydlí zlá čarodějnice Klapzuba, chytí ženu a oba utíkají děti hledat.
 
2. dějství: Děti v lese zatím nasbíraly plný košík jahod a pak je z hladu snědly. Je už tma a domů netrefí. Kolem nich se objevují různá zjevení, lesní panny a strašidla, až se děti konečně v úzkosti usadí pod stromy do houšti a dobrý duch uspávač zavře jejich víčka.
 
3. dějství: Děti ani netušily, že usnuly právě u perníkové chaloupky. Sotva je ráno Denice vzbudila, pustí se Jeník přes Aniččino napomínání do olupování střechy. Jeho příkladem dá se svést i hladová Anička. Chutná jim tolik, že neslyší a nevidí nic kolem sebe a tak je chytí čarodějnice, zavře Jeníka do chlívka k vykrmení a Aničku chce upéci hned. Anička se dělá hloupou, nechce rozumět, jak má lézt do pece. Když ji to Klapzuba ukazuje, strčí ji Anička do pece. Stane se div: všechny perníkové figurky náhle ožijí dotykem Aničky a zaříkadlem, které se od Klabzuby naučila. Všechny děti se vesele roztančí, a když je jim nejveseleji, přiběhne otec s matkou, šťastni, že se jejich dětem nepřihodilo nic zlého.
 
 
 

Libreto
 


OUVERTÜRE


ERSTER AKT



Daheim


(Kleine, dürftige Stube. Im Hintergrund

eine niedrige Tür, daneben ein kleines

Fenster mit Aussicht in den Wald. Links

ein Herd mit einem Rauchfang darüber An

den Wänden hängen Besen in verschiedenen

Größen)


Erste Szene


(Hänsel, an der Tür mit Besenbinden,

Gretel am Herd mit Strumpfstricken

beschäftigt, sitzen einander gegenüber)


GRETEL

Suse, liebe Suse,

was raschelt im Stroh?

Die Gänse gehen barfuß

und haben kein' Schuh'!

Der Schuster hat's Leder,

kein' Leisten dazu,

drum kann er den Gänslein

auch machen kein'


HÄNSEL

(unterbrechend)

Ei so geh'n sie halt barfuß!


GRETEL

(fortfahrend)

Schuh'!


HÄNSEL

Eia popeia, das ist eine Not!

Wer schenkt mir einen Dreier

zu Zucker und Brot?

Verkauf' ich mein Bettlein

und leg' mich auf's Stroh,

sticht mich keine Feder

und beißt mich kein


GRETEL

(unterbrechend)

Ei, wie beißt mich der Hunger!


HÄNSEL

FIoh!

(wirft seine Arbeit fort und steht auf)

Ach, käm' doch die Mutter

nun endlich nach Haus!


GRETEL

(erhebt sich)

Ach ja,

auch ich halt's kaum noch vor Hunger aus!


HÄNSEL

Seit Wochen nichts als trocken Brot:

ist das ein Elend,

potz schwere Not!


GRETEL

Still, Hänsel,

denk daran, was Vater sagt,

wenn Mutter manchmal so verzagt:

"Wenn die Not aufs Höchste steigt,

Gott der Herr die Hand auch reicht!"


HÄNSEL

Jawohl, das klingt recht schön und glatt,

aber leider wird man davon nicht satt!

Ach Gretel wie lang ist's doch schon her,

daß wir nichts Gut's geschmauset mehr?

Eierfladen und Butterwecken,

kaum weiß ich noch,

wie die tun schmecken.

(dem Weinen nahe)

Ach Gretel, ich wollt'


GRETEL

Still! nicht verdrießlich sein!

Gedulde dich fein, sieh freundlich drein!

Dies lange Gesicht -- hu, welcher Graus!

Siehst ja wie dar leibhaftige Griesgram aus!

(Sie nimmt einen Besen zur Hand.)

Griesgram hinaus, fort aus dem Haus!

Ich will dich lehren,

Herz zu beschweren,

Sorgen zu mehren,

Freuden zu wehren!

Griesgram, Griesgram,

gräulicher Wicht,

griesiges, grämiges Galgengesicht!

Packe dich, trolle dich, schäbiger Wicht!


HÄNSEL

(faßt mit an den Besen)

Griesgram hinaus! ...


GRETEL

Griesgram hinaus!

Fort aus dem Haus!

Knurrt auch der Magen,

werd' nicht verzagen,

nicht darnach fragen,

schnell dich verjagen!


HÄNSEL

... halt's nicht mehr aus!

Immer mich plagen,

Hungertuch nagen,

muß ja verzagen,

kann's nicht vertragen!


BEIDE

Griesgram, Griesgram, gräulicher Wicht,

griesiges, grämiges Galgengesicht!

Packe dich, trolle dich, schäbiger Wicht!


GRETEL

So recht!

Und willst du nun nicht mehr klagen,

so will ich dir auch ein Geheimnis sagen!


HÄNSEL

Ein Geheimnis! Wird wohl was Rechtes sein!


GRETEL

Ja, hör nur, Brüderchen,

darfst dich schon freu'n!

Guck hier in den Topf:

Milch ist darin,

die schenkte uns heute die Nachbarin.

Die Mutter kocht uns, kehrt sie nach Haus,

gewiß einen leckeren Reisbrei draus!


HÄNSEL

Reisbrei! Hei!

(tanzt im Zimmer umher)

Reisbrei, Reisbrei, herrlicher Brei!

gibt's Reisbrei, da ist Hänsel dabei!

Wie dick ist der Rahm auf dar Milch,

laß schmecken!


(Erleckt den Rahm vom Finger.)

Herrjemine,

den möcht ich ganz verschlecken!


GRETEL

Wie Hänsel, naschen?

Schämst du dich nicht?

(Sie gibt ihm eins auf die Finger

und stellt Topf auf den Tisch.)

Fort mit den Fingern, du naschhafter Wicht!

Und jetzt an die Arbeit zurück, geschwind!

Daß wir beizeiten fertig sind!

Kommt Mutter heim,

und wir taten nicht recht,

dann weißt du,

geht's den Faulpelzen schlecht!


HÄNSEL

Arbeiten? Wo denkst du hin,

darnach steht mir nicht mein Sinn.

Immer mich plagen!

Fällt mir nicht ein,

jetzt laß uns tanzen und fröhlich sein.


GRETEL

Tanzen! Tanzen!

Das wär' auch mir eine Lust!

Dazu ein Liedchen aus voller Brust!

Was uns die Muhme gelehrt zu singen:

Tanzliedchen soll jetzt lustig erklingen!

(klatscht in die Hände)

Brüderchen, komm, tanz mit mir,

beide Händchen reich' ich dir,

einmal hin, einmal her,

rund herum,

es ist nicht schwer!


HÄNSEL

(versucht 's, jedoch ungeschickt)

Tanzen soll ich armer Wicht,

Schwesterchen, und kann es nicht;

Darum zeig mir, wie es Brauch,

daß ich tanzen lerne auch!


GRETEL

Mit den Füsschen tapp tapp tapp,

mit den Händchen klapp klapp klapp,

einmal hin, einmal her,

rund herum,

es ist nicht schwer!


HÄNSEL

Mit den Füsschen tapp tapp tapp,

mit den Händchen klapp klapp klapp,

einmal hin, einmal her...

rund herum,

es ist nicht schwer!


GRETEL

Ei, das hast du gut gemacht!

Ei, das hätt' ich nicht gedacht!

Seht mir doch den Hänsel an,

wie der tanzen lernen kann!

Mit dem Köpfchen nick nick nick,

mit dem Fingerchen tick tick tick,

einmal hin, einmal her,

rund herum,

es ist nicht schwer!


HÄNSEL

Mit dem Köpfchen nick nick nick,

mit dem Fingerchen tick tick tick,

einmal hin, einmal her...

rund herum,

es ist nicht schwer!


GRETEL

Brüderchen, nun gib mal acht,

was die Gretel weiter macht!

Laß uns Arm in Arm verschränken,

unsre Schrittchen paarweis lenken!

Komm ...!


(faßt Hänsel unter den Arm)


HÄNSEL

Ich liebe Tanz und liebe Fröhlichkeit

und bin nicht gern allein


GRETEL, dann HÄNSEL

Ich bin kein Freund von Leid

und Traurigkeit,

und fröhlich will ich sein!

Ich liebe Tänze und liebe Fröhlichkeit,

bin nicht gern allein

kein Freund von Traurigkeit,

und fröhlich will ich sein!


GRETEL

(tanzt um HänseI herum und

gibt ihm einen Stoß)

Tra la la, la la la

Tra la la, la la la

Drehe dich herum, mein lieber Hänsel,

dreh' dich doch herum, mein lieber Hans!

Komm her zu mir, komm her zu mir,

zum Ringelreigentanz!


HÄNSEL

Geh weg von mir, geh weg von mir,

Ich bin der stolze Hans!

Mit kleinen Mädchen tanz' ich nicht,

Das ist mir viel zu dumm!


GRETEL

Geh, stolzer Hans, geh,

dummer Hans,

oh krieg' dich doch herum!

Tra la la, la la la

Tra la la, la la la, usw.

Drehe dich herum, mein lieber Hänsel,

dreh' dich doch herum, mein lieber Hans!


HÄNSEL

Ach, Schwesterlein, ach, Gretelein,

du hast im Strumpf ein Loch!


GRETEL

Ach, Brüderlein, ach, Hänselein,

du willst mich hänseln noch?

Mit bösen Buben tanz' ich nicht,

das wär' mir viel zu dumm!


HÄNSEL

Nicht böse sein, lieb' Schwesterlein,

Ich krieg' dich doch herum!


GRETEL, dann HÄNSEL

Tra la la, tra la la,

drehe dich herum, mein lieber Hänsel,

dreh' dich doch herum, mein lieber Hans!

Tanz lustig, heissa! Lustig tanz,

laß dich's nicht gereu'n!

Und ist der Strumpf auch nicht mehr ganz

die Mutter strickt dir'n neu'n!


HÄNSEL

Tra la la, tra la la,


GRETEL

Drehe dich herum, mein lieber Hänsel!


HÄNSEL

Tra la la, tra la la!


GRETEL

Dreh dich doch herum, mein lieber Hänsel!


(Sie singen weiter, fassen sich an den

Händen und tanzen schneller und schneller

umher, bis sie das Gleichgewicht verlieren

und übereinanderfallen. Plötzlich geht die

Tür auf, und die Mutter tritt ein.)


Zweite Szene


(Die Kinder erblicken ihre Mutter und

springen schnell vom Boden auf.)


MUTTER

(mit einer Kiepe sed dem Rücken)

Holla!


HÄNSEL

Himmel, die Mutter!


GRETEL

Die Mutter!


MUTTER

Was ist das für eine Geschichte!


GRETEL

Der Hänsel


HÄNSEL

Die Gretel


GRETEL

... er wollte...


HÄNSEL

ich sollte


MUTTER

(tritt ein, schnallt ihre Kiepe

ab und setzt sie nieder)

Wartet, ihr ungezogenen Wichte!

Nennt ihr das Arbeit,

johlen und singen?

Wie auf dar Kirmes tanzen und springen?

Indes die Eltern vom frühen Morgen,

bis in die Nacht sich mühen und sorgen.

(gibt Hänsel einen Stoß)

Daß dich!

Laßt seh'n, was habt ihr beschickt?

Wie Gretel?

Den Strumpf nicht fertig gestrickt?

Und du, du Schlingel,

in all den Stunden

nicht mal die wenigen Besen gebunden?

Ihr unnützes Volk,

den Stock will ich holen

und euch den Faulpelz weidlich versohlen!

(In ihrem Eifer, die Kinder zu fangen, stößt

sie den Milchtopf vom Tisch, der klirrend zu

Boden fällt.)

Jesses!

Nun auch den Topf noch zerbrochen!

(weinend)

Was nun zum Abend kochen?

(Sie betrachtet ihren mit Milch begossenen

Rock. Hänsel kichert verstohlen.)

Was, Bengel, lachst mich noch aus?

(Sie jagt Hänsel mit dem Stock.

Er entwischt durch die Tür.)

Wart! Kommt nur der Vater nach Haus!

(mit plötzlicher Heftigkeit einen Korb

von der Wand ressend und ihn Gretel in

die Hand Drückend)

Marsch! Fort in dem Wald!

Dort sucht mir Erdbeeren! Wird es bald?

(Sie treibt auch Gretel zur Stube hinaus und

droht den sich furchtsam umschauenden

Kindern mit dem Stock.)

Und bringt ihr den Korb

nicht voll bis zum Rand,

So hau' ich euch,

bis ihr fliegt an die Wand!

(Die Kinder laufen in den Wald. Die

Mutter setzt sich erschöpft an den Tisch.)

Da liegt nun der gute Topf in Scherben!

Ja, blinder Eifer

Bringt immer Verderben!

Herr Gott, wirf Geld herab!

Nichts hab' ich zu leben,

Kein Krümmchen den Würmern

zu essen zu geben!

Kein Tröpfchen im Topfe,

kein Krüstchen im Schrank,

Schon lange nur Wasser zum Trank!

(den Kopf in die Hand stützend)

Müde bin ich, müde zum Sterben!

Herrgott, wirf Geld herab.


(Sie legt den Kopf auf den

Arm und schläft ein.)


Dritte Szene


VATER

(von fern)

Ral la la la, Ral la la la,

heissa, Mutter, ich bin da!

Ral la la la, Ral la la la,

bringe Glück und Gloria!

(etwas näher)

Ach, wir armen, armen Leute

alle Tage so wie heute:

In dem Beutel ein großes Loch,

und im Magen ein größeres noch.

Ral la la la, Ral la la la,

Hunger ist der beste Koch!

Ral la la la, Ral la la la,

Hunger ist der beste Koch!

(Er betritt die Stube. Er tragt einen Kober

auf dem Rücken und ist sehr fröhlich.)

Ja, ihr Reichen könnt euch laben,

wir, die nichts zu essen haben,

nagen ach, die ganze Woch'

sieben Tag en einem Knoch'!

Ral la la la, Ral la la la,

Hunger ist der beste Koch!

Ral la la la, Ral la la la,

Hunger ist der beste Koch!

(setzt dan Kober ab)

Ja ja, der Hunger kocht schon gut,

sofern er kommandieren tut;

allein, was nützt der Kommandeur,

fehlt euch im Topf die Zubehör?

Ral la la la, Ral la la la,

Kümmel ist mein Leiblikör!

Ral la la la la, Ral la la la la,

(Er schwankt tänzelnd zur schlafenden

Mutter und gibt ihr einen derben Schmatz.)

Mutter, schau, was ich bescher'!


MUTTER

(sich die Augen reibend)

Ho ho!

Wer spek-spekta-kelt mir da im Haus

und ra la la la-kelt aus'm Schlaf mich heraus?


VATER

I wo! Das tolle Tier im Magen hier,

das bellte so, das glaube mir!

Ral la la, ral la la la.

Hunger ist ein tolles Tier.

Ral la la la, ral la la la la,

beißt und kratzt, das glaube mir!


MUTTER

So, so!

Das tolle Tier, es ist wohl schier

stark angezecht, das glaube mir!


VATER

Nun ja!

's war heut' ein heiterer Tag,

Fand'st du nicht auch, lieb' Weib?


(Er versucht sie zu küssen.)


MUTTER

Ach, geh! Du weißt, nicht leiden mag

ich Wirtshaus-Zeitvertreib!


VATER

Auch gut!

(sich zu seinem Kober wendend)

So seh'n wir, wenn's beliebt,

was es für heut' zu schmausen gibt.


MUTTER

Höchst einfach ist das Speisregister,

der Abendschmaus, zum Henker ist er!

Teller leer,

Keller leer,

und im Beutel ist gar nichts mehr!


VATER

Ral la la la, ral la la la,

lustig Mutter, bin auch noch da,

bringe Glück und Gloria!

(Er nimmt den Kober und packt aus.)

Schau, Mutter,

wie gefällt dir dies Futter?


MUTTER

Mann, Mann, was seh' ich?

Speck und Butter,

Mehl und Würste

(hilft ihm beim Auspacken)

vierzehn Eier,

Mann, die sind jetztunder teuer!

Bohnen, Zwiebeln, und Herrjeh!

gar ein Viertelpfund Kaffee!


(Dar Vater kehrt dan Kober vollends um;

ein Haufen Kartoffeln rollt auf die Erde.

Dann faßt er die Mutter am Arm und

tanzt mit ihr in der Stube umher.)


VATER

Ral la la la, ral la la la,

ral la la la la, hopsassa,

heute woll'n wir lustig sein!


MUTTER

Ral la la la ...


BEIDE

Ral la la la, ral la la la, usw.

heute woll'n wir lustig sein!


VATER

Ja hör nur, Mütterchen,

wie's geschah!

(Er setzt sich, während die Mutter die

Eßwaren wegräumt, Feuer im Herd

macht, Eier in die Pfanne schlägt, usw.)

Drüben hinter'm Herrenwald,

da gibt's prächt'ge Feste bald:

Kirmes, Hochzeit, Jubiläum,

Böllergeknall und groß Tedeum!

Mein Geschäft kommt nun zur Blüte,

dessen froh sei dein Gemüte!

Wer will feine Feste feiern,

der muß kehren, schrubben und scheuern;

bot drum meine Waren aus,

zog damit von Haus zu Haus:

"Kauft Besen! Kauft Besen! gute Feger,

feine Bürsten, Spinnejäger!"

Sieh, da verkauft' ich massenweise

meine Waren zu dem höchsten Preise!

Schnell nun her mit Topf und Pfanne,

Her mit Schüssel, Kessel und Kanne,

Vivat hoch


MUTTER

Vivat hoch


BEIDE

die Besenbinder!


(Der Vater setzt die Kümmelflasche an

den Mund, hält jedoch plötzlich inne.)


VATER

Doch halt, wo bleiben die Kinder?

Hänsel, Gretel,

wo steckt der Hans?


MUTTER

Wo er steckt?

(verlegen die Achsein zuckend)

Ja, wüste man's!

Dock das weiß ich klar wie Tag,

daß der Topf zu Scherben brach.


VATER

Was? der neue Topf entzwei?


MUTTER

Und am Boden quoll der Brei!


VATER

Donnerkeil!

So haben die Rangen

Wieder Unfug angefangen?


MUTTER

Unfug viel und Arbeit keine

hatten sie getrieben hier alleine,

hörte schon draußen sie johlen,

hopsen und springen wie wilde Fohlen,

na, da wusst' ich nicht,

wo mir stand der Kopf


VATER

Und vor Zorn


MUTTER

und vor Zorn


VATER, dann BEIDE

(lachend)

zerbrach der Topf!


VATER

Na, Zornmütterchen,

nimm mir's nicht krumm:

solche Zorntöpfe find' ich recht dumm!

Doch sag, wo mögen die Kinderchen sein?


MUTTER

Meinethalben am Ilsenstein!


VATER

(entsetzt)

Am Ilsenstein! Ei, juckt dich das Fell?


(einen Besen von der Wand holend)


MUTTER

Den Besen, den laß nur an seiner Stell'!


VATER

(läßt den Besen fallen und ringt die Hände)

Wenn sie sich verirrten im Walde dort,

In der Nacht ohne Stern' und Mond!


MUTTER

O Himmel!


VATER

Kennst du nicht den schauerlich düster'n Ort,

weißt nicht, daß die Böse dort wohnt?


MUTTER

Die Böse? Wen meinst du?


VATER

Die Knusperhexe!


MUTTER

Die Knusperhexe?

(Der Vater nimmt den

Besen wieder zur Hand.)

Nein! Sag' doch, was soll denn der Besen?


VATER

Der Besen, der Besen,

was macht man damit,

was macht man damit?

Es reiten drauf, es reiten drauf die Hexen!

Eine Hex' , steinalt, haust tief im Wald,

vom Teufel selber hat sie Gewalt.

Um Mitternacht, wenn niemand wacht,

Dann reitet sie aus zur Hexenjagd!

Zum Schornstein hinaus,

auf dem Besen, o Graus,

über Berg und Kluft,

über Tal und Schlucht,

durch Nebelduft,

im Sturm durch die Luft:

Ja, so reiten, ja, so reiten,

juchheissa, die Hexen!


MUTTER

Entsetzlich!

Doch die Knusperhex'?


VATER

Ja, bei Tag, o Graus,

Zum Hexenschmaus

Im Knisper-Knasper-Knusperhaus,

die Kinderlein,

Armsünderlein,

mit Zauberkuchen lockt sie hinein!

Doch übel gesinnt,

ergreift sie geschwind

das arme Kuchen knuspernde Kind,

in den Ofen, hitzhell,

schiebst die Hexe blitzschnell,

dann kommen zur Stell',

gebräunet das Fell,

aus dem Ofen, aus dem Ofen,

die Lebkuchenkinder!


MUTTER

Und die Lebkuchenkinder?


VATER

Sie werden gefressen!


MUTTER

Von der Hexe?


VATER

Von der Hexe!


MUTTER

(händeringend)

O Graus!

Hilf Himmel! Die Kinder!

Ich halt's nicht mehr aus!


(läuft aus dem Haus)


VATER

(nimmt die Kümmelflasche vom Tisch)

He, Alte, wart doch!

Nimm mich mit!

Wir wollen ja beide zum Hexenritt!


ZWEITER AKT


Orchestervorspiel



Hexenritt


Erste Szene



(Im Wald)


(Tiefer Wald. Im Hintergrund der von

dichten Tannen umgebene Ilsenstein.

Rechts eine mächtige Tanne, darunter

sitzt Gretel auf einer moosbedeckten Wurzel

und windet einen Kranz von Hagebutten;

neben ihr liegt ein Blumenstrauß. Links

abseits im Gebüsch Hänsel, nach Erdbeeren

suchend. Abendrot)


GRETEL

(lauchen)

Ein Männlein

steht im Walde ganz still und stumm,

es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um.

Sagt, wer mag das Männlein sein,

das da steht im Wald allein

mit dem purpurroten Mäntelein?

Das Männlein steht im Walde auf einen Bein

und hat auf seinem Kopfe

schwarz Käpplein klein.

Sagt, wer mag das Männlein sein,

das da steht auf einem Bein

mit dem kleinen schwarzen Käppelein?


(Sie hält das Hagebuttenkränzchen in die

Höhe und betrachtet es von allen Seiten.)


HÄNSEL

(kommt hervor und schwenkt

jubelnd sein Körbchen)

Juchhe!

Mein Erbelkörbchen ist voll bis oben!

Wie wird die Mutter den Hänsel loben!


GRETEL

(steht auf)

Mein Kränzel ist auch schon fertig! Sieh!

So schön wie heute ward's noch nie!


(Sie will Hänsel den Kranz

auf den Kopf setzen.)


HÄNSEL

(barsch abwehrend)

Buben tragen doch so was nicht!

Paßt nur für ein Mädchengesicht!

(setzt ihr den Kranz auf)

Hei, Gretel, fein's Mädel! Ei der Daus!

Siehst ja wie die Waldkönigin aus!


GRETEL

Seh' ich wie die Waldkönigin aus,

so reich' mir auch den Blumenstrauß!


HÄNSEL

(gibt ihr den Strauss)

Waldkönigin mit Szepter und Kron',

da nimm auch die Erbeln,

doch nasch nicht davon!

(Er gibt ihr das Körbchen voll Erdbeeren

in die andere Hand und läßt sich

gleichsam huldigend auf die Knie vr

ihr nieder. In diesem Augenblick ertönt

der Ruf eines Kuckucks.)

Kuckuck, Kuckuck, Eierschluck!


GRETEL

Kuckuck, Kuckuck, Erbelschluck!


(Sie nimmt eine Beere aus dem

Körbchen und schiebt sie Hänsel

in den Mund, der sie schlürft, als

trinke er ein Ei aus.)


HÄNSEL

Ho ho! Das kann ich auch! Gib nur acht!

(nimmt einige Beeren und läßt

sie Gretel in den Mund rollen)

Wir machen's, wie der Kuckuck schluckt,

wenn er in fremde Nester guckt!

(Der Kuckuck ruft abermals. Es beginnt

zu dämmern. Hänsel greift wieder zu:)

Kuckuck, Eierschluck!


GRETEL

(ebenfalls)

Kuckuck, Erbelschluck!


HÄNSEL

Setzest deine Kinder aus!


GRETEL

Kuckuck, gluck, gluck!


HÄNSEL

Trinkst die fremden Eier aus!


GRETEL

Kuckuck, schluck, schluck!

(Hänsel läßt sich eine Handvoll

Beeren in den Mund rollen.)

Kuckuck, gluck, gluck!


HÄNSEL

Schluckst sie, Schlauer, selber auf!


GRETEL

Kuckuck, schluck, schluck!


(Sie werden immer übermütiger und raufen

sich schließlich um die Beeren. Hänsel

trägt den Sieg davon und setzt den Korb

vollends an den Mund, bis er leer ist.

Inzwischen ist es immer dunkler geworden.)


GRETEL

(entreißt ihm den Korb)

Hänsel, was hast du getan?

O Himmel!

Alle Erbeln gegessen, du Lümmel!

Wart nur, das gibt ein Strafgericht!

Denn die Mutter, die spaßt heute nicht!


HÄNSEL

Ei was, stell dich doch nicht so an!

Du Gretel, du hast's ja selber getan!


GRETEL

Komm, wir wollen rasch neue suchen!


HÄNSEL

Im Dunkeln wohl gar,

unter Hecken und Buchen?

Man sieht ja nicht Blatt,

nicht Beere mehr!

Es wird schon dunkel ringsumher!


GRETEL

Ach Hänsel, Hänsel, was fangen wir an?

Was haben wir törichten Kinder getan!

Wir durften hier nicht so lange säumen!


HÄNSEL

Horch, wie es rauscht im den Bäumen!

Weißt du, was der Wald jetzt spricht?

"Kindlein, Kindlein", fragt er,

"fürchtet ihr euch nicht?"

(Er späht unruhig umher.)

Gretel, ich weiß den Weg nicht mehr!


GRETEL

O Gott, was sagst du?

Den Weg nicht mehr?


HÄNSEL

(sich mutig stellend)

Was bist du für ein furchtsam Wicht!

Ich bin ein Bub und fürcht mich nicht!


GRETEL

Ach Hänsel, gewiß geschieht uns ein Leid!


HÄNSEL

Ach Gretel, geh, sei doch gescheit!


GRETEL

Was schimmert denn dort in der Dunkelheit?


HÄNSEL

Das sind die Birken im weißen Kleid.


GRETEL

Und dort,

was grinset daher vom Sumpf?


HÄNSEL

D d das ist

ein glimmender Weidenstumpf.


GRETEL

(hastig)

Was für ein wunderlich Gesicht

macht er soeben, siehst du's nicht?


HÄNSEL

(sehr laut)

Ich mach' dir'ne Nase! Hörst du, du Wicht?


GRETEL

(ängstlich)

Da sieh!

das Lichtchen, es kommt immer näh'r!


HÄNSEL

Irrlichtchen hüpfet wohl hin und her!

Gretel, du mußt beherzter sein!

Wart, ich will einmal tüchtig schrei'n!

(Er ruft durch die hohlen Hände.)

Wer da?


ECHO

Er da!


(Die Kinder schmiegen sich

erschrocken aneinander.)


GRETEL

Ist jemand da?


ECHO

Ja! Ja! ...


(Die Kinder schaudern zusammen.)


GRETEL

Hast du's gehört? 's rief leiser "Ja".

Hänsel, sicher ist jemand nah!

Ich fürcht' mich, ich fürcht' mich!

O wär' ich zu Haus!

Wie sieht der Wald so gespenstig aus!


HÄNSEL

Gretelchen, drücke dich fest an mich,

Ich halte dich, ich schütze dich!


(Dichter Nebel steigt auf und

verhüllt den Hintergrund gänzlich.)


GRETEL

Da kommen weiße Nebelfrauen!

Sieh, wie sie winken und drohend schauen!

Sie kommen, sie kommen, sie fassen uns an!

Vater! Mutter! Ah!


(Sie eilt entsetzt unter die Tanne und verbigt

sich, auf die Knie stürzend, hinter Hänsel. In

diesem Augenblick zerreißt links der Nebel;

ein kleines graues Männchen mit einem

Säckchen auf dem Rücken, erscheint.)


HÄNSEL

Sieh dort das Männchen, Schwesterlein!

Was mag das für ein Männlein sein?


Zweite Szene


SANDMANN

(nähert sich mit freundlichen Gebärden

den Kindern, die sich allmählich beruhigen,

und wirft ihnen während des Folgenden

Sand in die Augen.)

Der kleine Sandmann bin ich, s-t!

und gar nichts Arges sinn'ich, s-t!

euch Kleinen lieb' ich innig, s-t!

bin euch gesinnt gar minnig, s-t!

Aus diesem Sack zwei Körnelein

euch Müden in die Äugelein;

die fallen dann von selber zu,

damit ihr schlaft in sanfter Ruh'!

und seid ihr brav und fein geschlafen ein,

dann wachen auf die Sterne;

aus hoher Himmelsferne

gar holde Träume bringen euch die Engelein!

Drum träume, träume, Kindchen, träume,

gar holde Träume bringen euch die Engelein!


(geht ab)


HÄNSEL

(schlaftrunken)

Sandmann war da!


GRETEL

(ebenso)

Laß uns den Abendsegen beten!


(Sie knien nieder und falten die Hände.)


BEIDE

Abends, will ich schlafen gehn,

vierzehn Engel um mich stehn:

zwei zu meinen Häupten,

zwei zu meinen Füßen,

zwei zu meiner Rechten,

zwei zu meiner Linken,

zwei die mich decken,

zwei, die mich wecken,

zwei, die mich weisen

zu Himmels Paradeisen!


(Sie sinken ins Moos zurück und

schlummern, Arm in Arm verschlungen,

alsbald ein. Völlige Dunkelheit.)


Dritte Szene


(Traumpantomime)


(Plötzlich dringt von oben her ein heller

Schein durch den Nebel, der sich

wolkenförmig zusammenballt und die

Gestalt einer zur Mitte der Bühne

herabführenden Treppe annimmt. Vierzehn

Engel, die kleinsten voran, die größten

zuletzt, schreiten paarweise, während

das Licht an Helligkeit zunimmt, in

Zwischenräumen die Wolkentreppe

herab und stellen sich, der Reihenfolge

des Abendsegens entsprechend, um die

schlafenden Kinder auf, das erste Paar zu

Häupten, das zweite zu Füßen, das dritte

rechts, das vierte links; dann verteilen sich

das fünfte und sechste Paar zwischen die

übrigen Paare, so daß der Kreis der Engel

vollständig geschlossen wird. Zuletzt tritt

das siebente Paar in den Kreis und nimmt

als "Schutzengel"zu beiden Seiten der

Kinder Platz, während die übrigen sich die

Hände reichen, einen feierlichen Reigen um

die Gruppe aufführen und sich zu einem

malerischen Schlußbild ordnen)




DRITTER AKT


(Das Knusperhäuschen)


Vorspiel


Erste Szene



(Wie am Schluß des zweiten Bildes.

Der Hintergrund noch von Nebel verhüllt,

der sich während des Folgenden langsem

Hebt. Die Engel sind verschwunden)


(Früher Morgen. Das Taumännchen

erscheint und schüttelt aus einer

Glockenblume Tautropfen auf die

schlafenden Kinder.)


TAUMANN

Der kleine Taumann heiß ich,

und mit der Sonne reis ich,

von Ost bis Westen weiß ich,

wer faul ist und wer fleißig,

kling! klang! kling! klang!

Ich komm' mit gold'nem Sonnenschein

und strahl' in eure Äugelein

und weck' mit kühlem Taue,

was schläft auf Flur und Aue.

dann springet auf,

wer munter in früher Morgenstunde,

denn sie hat Gold im Munde,

drum auf, ihr Schläfer, erwachet!

Der lichte Tag schon lachet,

drum auf, ihr Schläfer, erwacht, erwacht!


(eilt singend davon)


GRETEL

(öffnet die Augen, richtet sich halb auf

und blickt verwundert um sich, während

Hänsel sich auf die andere Seite dreht,

um weiterzuschlafen.)

Wo bin ich? Wach' ich?

Ist es ein Traum?

Hier lieg' ich unterm Tannenbaum!

Hoch in den Zweigen, da lispelt es leise,

Vöglein singen so süße Weise.

Wohl früh schon waren sie aufgewacht

und haben ihr Morgenliedchen dargebracht.

Ihr lieben Vöglein, guten Morgen!

Sieh da, der faule Siebenschläfer!

Wart nur, dich weck' ich!

(bückt sich zu Hänsel nieder)

Ti-re-li-re-li,

's ist nicht mehr früh!

Ti-re-li-re-li,

's ist nicht mehr früh!

Die Lerche hat's gesungen

und hoch sich aufgeschwungen.

(aufspringend)

Ti-re-li-re-li-, usw.


HÄNSEL

(ist während des Liedes erwacht, reibt

sich die Augen und stimmt gleichfalls

aufspringend munter in Gretels Weise ein)

Ki-ke-ri-ki!

's ist noch früh!

Ki-ke-ri-ki!

's ist noch früh!

Ja, hab's wohl vernommen,

Der Morgen ist gekommen.

Ki-ke-ri-ki!

(reckt sich)

Mir ist so wohl, ich weiß nicht wie!

So gut wie heute schlief ich noch nie!


GRETEL

Doch höre nur! Hier unterm Baum,

Hatt' ich 'nen wunderschönen Traum!


HÄNSEL

Richtig! Auch mir träumte was!


GRETEL

Mir träumte,

ich hör' ein Rauschen und Klingen,

wie Chöre der Engel,

ein himmlisches Singen.

Lichte Wölkchen in rosigem Schein

wallten und wogten ins Dunkel herein.

Siehe, helle ward's mit einem Male,

licht durchflossen vom Himmelsstrahle,

eine gold'ne Leiter sah ich sich neigen,

Engel hernieder steigen,

gar holde Englein mit gold'nen Flügelein.


HÄNSEL

Vierzehn müssen's gewesen sein!


GRETEL

Hast du denn alles dies auch geseh'n?


HÄNSEL

Freilich! 's war wunderschön!

Und dorthin sah ich sie gehen.


Zweite Szene


(Hänsel wendet sich dem Hintergrund zu.

In diesem Augenblick zerreißt der letzte

Nebel, und anstelle des Tannengehölzes

erscheint glitzernd im Sonnenaufgang das

"Knusperhäuschen"am Ilsenstein. Links

davon in einiger Entfernung befindet sich

ein Backofen, diesem rechts gegenüber

ein großer Käfig, beide mit dem

Knusperhäuschen durch einen Zaun von

Kuchenmännern verbunden.)


GRETEL

Bleib steh'n! Bleib steh'n!


HÄNSEL

O Himmel, welch Wunder ist hier gescheh'n?

Nein,

so was hab' ich mein Tag' nicht geseh'n!


(Beide blicken wie verzaubert

auf das Knusperhäuschen.)


GRETEL

Wie duftet's von dorten,

o schau nur diese Pracht!

Von Kuchen und Torten ...


BEIDE

ein Häuslein gemacht,

mit Fladen und Torten

ist's hoch überdacht,

die Fenster wahrhaftig

wie Zucker so blank,

Rosinen gar saftig

den Giebel entlang,

und ­ traun! rings zu schau'n

gar ein Lebkuchenzaun!

O herrlich Schlösschen,

wie bist du schmuck und fein!

Welch' Waldprinzeßchen

mag da wohl drinnen sein!

Ach wär' doch zu Hause

die Waldprinzessin fein,

sie lüde zum Schmause

bei Kuchen und Wein,

zum herrlichsten Schmause

uns beide freundlich ein,

uns freundlich ein,

uns freundlich ein!


HÄNSEL

Alles bleibt still,

nichts regt sich da drinnen!

Komm, laß uns hineingeh'n!


GRETEL

(ihn erschrocken zurückhaltend)

Bist du bei Sinnen?

Junge, wie magst du so dreist nur sein?

Wer weiß,

wer da drin wohl im Häuschen fein?


HÄNSEL

O sieh nur, sieh, wie das Häuslein uns lacht!

Ha! Die Englein haben's uns hergebracht!


GRETEL

Die Englein? Ja, so wird es wohl sein!


HÄNSEL

Ja, Gretel, sie laden freundlich uns ein!

Komm,

wir knuspern ein wenig vom Häuschen!


BEIDE

Komm, ja knuspern wir,

komm, ja knuspern wir,

wie zwei Nagemäuschen!


(Sie hüpfen Hand in Hand in den

Hintergrund, bleiben wieder stehen

und schleichen dann vorsichtig auf

Zehenspitzen an das Häuschen heran.

Nach einigem Zögern bricht Hänsel an der

rechten Kante ein Stück Kuchen heraus.)




Dritte Szene




STIMME AUS DEM HÄUSCHEN

Knusper, knusper Knäuschen,

wer knuspert mir am Häuschen?


HÄNSEL

(läßt erschrocken das Stück Kuchen fallen)

Hast du's gehört?


GRETEL

(zaghaft)

Der Wind!


HÄNSEL

Der Wind!


BEIDE

Das himmlische Kind!


GRETEL

(hebt das Stück Kuchen

wieder auf und versucht es)

Hm!


HÄNSEL

Wie schmeckt das?


GRETEL

(läßt ihn kosten)

Da hast du auch was!


HÄNSEL

Hei!


BEIDE

Hei! Hei! Hei! Hei!

O köstlicher Kuchen,

wie schmeckst du nach mehr; mir ist ja,

als wenn ich im Himmel schon wär'!


HÄNSEL

Ha, wie das schmeckt!


GRETEL

's ist gar zu lecker!


HÄNSEL

Wie süß!


GRETEL

Wie köstlich!


HÄNSEL

Ha


GRETEL

Wie süß!


HÄNSEL

wie lecker!


GRETEL

Vielleicht gar wohnt hier ein Zuckerbäcker!


HÄNSEL

(ruft)

He! Zuckerbäcker, nimm dich in acht!

Ein Loch wird dir jetzt

vom Mäuslein gemacht!


(bricht ein großes Stück aus der Wand)


STIMME AUS DEM HÄUSCHEN

Knusper, knusper Knäuschen,

wer knuspert mir a Häuschen?


HÄNSEL, GRETEL

Der Wind, der Wind,

das himmlische Kind!


(Der obere Teil der Haustür öffnet sich

leise, und der Kopf der Knusperhexe

erscheint. Die Kinder bemerken die Hexe

nicht und schmausen lustig weiter.)


GRETEL

Wart, du näschiges Mäuschen,

gleich kommt die Katz' aus dem Häuschen!


HÄNSEL

Knusp're nur zu, und laß mich in Ruh'!


GRETEL

(entreißt ihm ein Stück Kuchen)

Nicht so geschwind,

Herr Wind, Herr Wind!


HÄNSEL

(nimmt es ihr wieder ab)

Himmlisches Kind,

ich nehm', was ich find!


GRETEL

Ha ha ha ha ha ...


(Sie lachen beide hell auf. Während des

letzten Gesprächs ist die Tür des Häuschens

aufgegangen, und die Hexe tritt von den

Kindern unbemerkt heraus und schleicht

behutsam auf sie zu. Rasch wirft sie

dem ahnungslosen Hänsel, eben in dem

Augenblick als die Kinder lachen, einen

Strick um den Hals.)


HEXE

Hihi, hihi, hihihi!


(Die Kinder blicken sich erschrocken um.)


HÄNSEL

Laß los! Wer bist du? Laß mich los!


HEXE

(die Kinder an sich ziehend)

Engelchen!

Und du mein Bengelchen!

Ihr kommt mich besuchen?

Das ist nett!

Ihr lieben Kinder, so rund und fett!


HÄNSEL

Wer bist du, Garstige?

Laß mich los !


HEXE

Na, Herzchen, zier' dich nicht erst groß!

Wißt denn, daß euch vor mir nicht graut!

Ich bin Rosina Leckermaul,

höchst menschenfreundlich stets gesinnt,

unschuldig wie ein kleines Kind,

drum hab' ich die kleinen Kinder so lieb,

so lieb, so lieb, ach!

zum Aufessen lieb!


(Sie streichelt die Kinder.)


HÄNSEL

(barsch abwehrend)

Geh, bleib mir doch aus dem Gesicht!

Hörst du! Ich mag dich nicht!


(stampft mit dem Fuß auf)


HEXE

Haha, haha, hahaha!

Was seid ihr für leckere Teufelsbrätchen,

besonders du, mein herziges Mädchen!

Kommt, kleine Mäuslein,

kommt in mein Häuslein!

Ihr sollt's gut bei mir haben,

will drinnen köstlich euch laben!

Schokolade, Torten, Marzipan,

Kuchen gefüllt mit süßer Sahn'

Johannisbrot und Jungfernleder,

und Reisbrei, auf dem Ofen steht er,

Rosinen und Feigen

und Mandeln und Datteln sich zeigen:

's ist alles im Häuschen euer eigen,

ja, alles euer eigen!


HÄNSEL

Ich geh' nicht mit dir, garstige Frau!


GRETEL

Du bist gar zu freundlich!


HEXE

Schau, schau! Schau, wie schlau!

Ihr Kinder, ich mein's ja so gut mit euch,

ihr seid ja bei mir wie im Himmelreich!

Kommt, kleine Mäuslein!

kommt, in mein Häuslein!

Ihr sollt's gut bei mir haben,

will drinnen köstlich euch laben


(Sie will Hänsel fortziehen.)


GRETEL

So sprich: Was willst du meinem Bruder tun?


HEXE

I nun Ich will ihn füttern und nudeln

mit allerhand vortrefflichen Sachen,

ihn zart und wohlschmeckend machen.

Und ist er dann recht zahm und brav,

und fügsam und geduldig wie ein Schaf,

dann, Hänsel, ich sag' dir's ins Ohr:

Dir steht eine große Freude bevor!


HÄNSEL

So sag's, doch laut und nicht ins Ohr:

Welch große Freude steht mir bevor?


HEXE

Ja, liebe Kinder, Hören und Seh'n

wird euch bei diesem Vergnügen vergeh'n!


HÄNSEL

Ei, meine Augen und Ohren sind gut!

Haben wohl acht, was Schaden mir tut!

Gretel, trau nicht dem gleißenden Wort!

Komm, Schwesterchen, wir laufen fort!


(Er hat sich allmählich von der Schlinge

befreit und will mit Gretel fortlaufen; sie

werden von der Hexe zurückgehalten, die

gebieterisch ihren Zauberstab gegen die

beiden erhebt.)


HEXE

Halt!

(Sie macht mit dem Stab die Gebärde des

Hexenbannes. Die Bühene verfinstert sich)

Hokuspokus, Hexenschuß!

Rühr dich, und dich trifft der Fluß!

Nicht mehr vorwärts, nicht zurück,

bann' dich mit dem bösen Blick!

Kopf steh' starr dir im Genick!

(neue Gebärde; die Spitze des

Stabes beginnt zu leuchten)

Hokuspolus, nun kommt Jokus!

Kinder, schaut den Zauberknopf!

Äuglein, stehet still im Kopf!

Nun zum Stall hinein, du Tropf!

Hokuspokus, bonus jokus,

malus lokus, hokuspokus! usw.

(Sie führt den starr auf den Knopf

blickenden Hänsel zum Stall und

schliesst hinter ihm die Gittertür,

während Gretel regungslos dasteht.

Die Bühne erhellt sich wieder.)

Nun, Gretel, sei vernünftig und nett!

Der Hänsel wird nun balde fett.

Wir wollen ihn, so ist's am besten,

mit süßen Mandeln und Rosinen mästen.

Ich geh' ins Haus und hole sie schnell,

du rühre dich nicht von der Stell'!


(Sie droht grinsend mit dem

Finger und geht ins Haus.)


GRETEL

(starr und unbeweglich)

Hu! Wie mir vor der Hexe graut!


HÄNSEL

Gretel! Pst! Sprich nicht so laut!

Sei hübsch gescheit und gib fein acht

auf jedes, was die Hexe macht!

Zum Schein tu alles, was sie will

da kommt sie schon zurück ­ pst! Still!


HEXE

(kommt hervor, überzeugt sich, daß Gretel

noch still steht, und hält Hänsel aus einem

Korb Mandeln und Rosinen hin.)

Nun, Jüngelchen,

ergötze dein Züngelchen!

(steckt Hänsel eine Rosine in den Mund)

Friß, Vogel, oder stirb ­

Kuchenheil dir erwirb!

(wendet sich Gretel zu und entzaubert

sie mit winem Wacholderbusch)

Hokuspokus, Holderbusch!

Schwinde, Gliederstarre, husch!

(Gretel rührt sich wieder.)

Nun, wieder kregel, süßes Kleinchen,

rühr mir geschwind die runden Beinchen!

Geh, mein Püppchen, flink und frisch,

decke drinnen hübsch den Tisch!

Schußelchen, Tellerchen,

Messerchen, Gäbelchen,

Serviettchen für mein Schnäbelchen;

Nun mach alles recht hurtig und fein,

sonst sperr' ich dich auch in den Stall hinein!


(Kichernd droht sie Gretel, die

eilig im Haus verschwindet.)


HEXE

(zu Hänsel, der sich schlafend stellt)

Der Lümmel schläft ja, nun sieh mal an,

wie doch die Jungend schlafen kann!

Na, schlaf nur brav, du gutes Schaf,

bald schläfst du deinen ewigen Schlaf!

Doch erst die Gretel muß mir dran,

mit dir, mein Mädel, fang' ich an;

bist so niedlich, zart und rund,

wie gemacht für Hexenmund!

(Sie öffnet den Ofen und riecht hinein.)

Der Teig ist gar, wir können voran machen.

Hei, wie im Ofen die Scheite krachen!

(Sie schiebt noch ein paar Scheite nach

und reibt sich schmunzelnd die Hände.)

Ja, Gretelchen,

wirst bald ein Brätelchen!

Schau, schau! Schau, wie schlau!

Sollst gleich im Backofen hucken

und nach den Lebkuchen gucken.

Bist du dann drin ­ schwaps,

geht du Tür ­ klaps!

Dann ist fein Gretelchen

mein Brätelchen!

Das Brätlein, das soll sich verwandeln

in Kuchen mit Zucker und Mandeln;

Im Zauberofen mein

wirst du ein Lebkuchen fein!

Schau, schau, wie schlau!

Hihi, hihi, hihihi, usw.

(In wilder Freude ergreift sie einen Besen

und reitet ausgelassen auf ihm ums Haus.)

Hurr hopp hopp hopp,

Galopp, lopp, lopp,

mein Besengaul,

hurr hopp, nit faul!

So wie ich's mag,

am lichten Tag,

spring kreuz und quer

ums Häuschen her!

Bei dunkler Nacht,

wenn niemand wacht,

zum Hexenschmaus

am Schornstein raus!

Aus fünf und sechs

so sagt die Hex',

mach sieb' und acht,

so ist's vollbracht,

und neun ist eins,

und zehn ist keins,

und viel ist nichts,

die Hexe spricht's!

So reitet sie

bis morgens früh!

Brr ! Besen! Hüh!

(Sie steigt vom Besen, hinkt zu Hänsel

und kitzelt ihn mit einem Zweig wach.)

Auf! Wach auf, mein Jüngelchen,

zeig mir dein Züngelchen!

(Hänsel steckt die Zunge heraus.)

Schlicker, schlecker!

Lecker, lecker!

Kleines, leckeres Schlingelchen,

Zeig mir dein Fingerchen!

(Hänsel steckt ein Stöckchen heraus.)

Jemine! O je!

Wie ein Stöckchen, o weh!

Bübchen, deine Fingerchen

sind elende Dingerchen!

Mädel! Gretel!

(Gretel erscheint in der Tür.)

Bring' Rosinen und Mandeln her,

Hänsel meint, es schmeckt nach mehr!


(Gretel springt ins Haus und

kehrt mit einem Körbchen zurück.)


GRETEL

Da sind die Mandeln!

(Sie stellt sich, während Hänsel von der

Hexe gefüttert wird, hinter sie und macht

gegen Hänsel die Entzauberungsgebärde

mit dem Wacholderbusch. Gretel, leise:)

Hokuspokus, Holderbusch,

schwinde, Gliederstarre, husch!


(Hänsel wird wieder beweglich.)


HEXE

(sich rasch umwendend)

Was sagest du, mein Gänselchen?


GRETEL

Meint' nur:

Wohl bekomm's mein Hänselchen!


HEXE

(schwerhörig)

He?


GRETEL

(lauter)

Wohl bekomm's, mein Hänselchen!


HEXE

Hihihi! Mein gutes Tröpfchen,

da steck dir was ins Kröpfchen!

(steckt Gretel eine Rosine in den Mund)

Friß, Vogel, oder stirb ­

Kuchenheil dir erwirb!


(Sie öffnet die Backofentür, Hänsel

gibt Gretel lebhafte Zeichen.)


HÄNSEL

(leise die Stalltür öffnend)

Schwesterlein, hüt dich fein!


HEXE

(Gretel gierig betrachtend)

Wie wässert mir das Mündchen

nach diesem süßen Kindchen!

Komm, Gretelchen,

Zuckermädelchen!

Sollst in dem Backofen hucken

und nach den Lebkuchen gucken,

sorgfältig schau'n ­ ja,

ob sie schon braun da,

oder ob's zu früh ­

's ist kleine Müh'!


(Gretel zaudert.)


HÄNSEL

(aus dem Stall schleichend)

Schwesterlein, hüt dich fein!


GRETEL

(sich ungeschickt stellend)

Ei, wie fang' ich's an,

daß ich komme dran?


HEXE

Mußt dich nur eben

ein bißchen heben.

Kopf vorgebeugt ­

's ist kinderleicht!


HÄNSEL

(Gretel am Kleid zurückhaltend,

hinter ihr versteckt)

Schwesterlein, hüt' dich fein!


GRETEL

Bin gar so dumm,

nimm mir's nicht krumm!

Drum zeig mir eben:

Wie soll ich mich denn heben?


HEXE

(ungeduldig)

Kopf vorgebeugt,

's ist kinderleicht!


(Sie will es ihr zeigen; während sie sich

vorbeugt und mit halbem Körper

hineinkriecht, geben Hänsel und Gretel

ihr von hinten einen heftigen Stoß, so

daß sie vollends hineinfliegt, und

schlagen dann rasch die Tür zu.)


HÄNSEL, GRETEL

(ihr nachspottend)

"Und bist du dann drin ­ schwaps!

Geht die Tür ­ klaps!"

Du bist dann statt Gretelchen

ein Brätelchen!

(Sie fallen sich jubelnd in die Arme,

fassen sich an den Händen und tanzen.)

Juch-hei! Nun ist die Hexe tot,

mausetot, und aus die Not!

Juch-hei! Nun ist die Hexe still

mäuschenstill, Kuchen gibts die Füll'!

Nun ist zu End' der Graus, Hexengraus,

und der Spuk ist aus!

Ja laßt uns fröhlich sein,

tanzen im Feuerschein,

halten im Knusperhaus

herrlichsten Freudenschmaus!

Hei! Juch-hei, juch-hei! usw.


(Sie umfassen sich und tanzen miteinander

zum Knusperhaus, wo sie alle Herrlichkeiten

in Besitz nehmen. Im Hexenofen knistert es

gewaltig, die Flamme schlägt hoch empor;

es folgt ein starker Krach, und der Ofen

stürzt donnernd zusammen. Hänsel und

Gretel fallen vor Schreck zu Boden;

dann blicken sie erstaunt um sich. Ihre

Verwunderung steigt aufs höchste, als sie

die Kinder bemerken, deren Kuchenhülle

inzwischen abgefallen ist.)


HÄNSEL

Da, sieh nur die artigen Kinderlein!


GRETEL

Wo mögen die hergekommen sein?




Vierte Szene




DIE KUCHENKINDER

(ganz leise und unbeweglich)

Erlöst, befreit, für alle Zeit!


GRETEL

Geschlossen sind ihre Äugelein

sie schlafen und singen doch so fein!


KINDER

O rühre mich an,

daß ich erwachen kann!


HÄNSEL

Rühr du sie doch an,

ich trau' mir's nicht!


GRETEL

Ja, streicheln wir dies hübsche Gesicht!


(Sie streichelt das nächste Kind,

das die Augen öffnet und lächelt.)


KINDER

O rühr auch mich, auch mich rühr an,

daß ich die Äuglein öffnen kann!


(Gretel geht streichelnd zu den übrigen

Kindern, die lächelnd die Augen öffnen,

ohne sich zu rühren; endlich ergeift

Hänsel den Wacholderzweig.)


HÄNSEL

Hokuspokus, Holderbusch!

Schwinde, Gliederstarre, husch!


(Die Kinder springen auf und bilden

einen Reigen um Hänsel und Gretel.)


MÄDCHEN

Habt Dank


JUNGEN

euer Leben lang!


MÄDCHEN

... euer Leben lang!


ALLE

Die Hexerei ist nun vorbei;

nun singen und springen wir froh und frei!

Kommt Kinderlein, zum Ringelreih'n

reicht alle euch die Händchen fein!


JUNGEN

Drum singt und springt,

drum tanzt und singt!


MÄDCHEN

Drum singt und springt,

drum tanzt und singt!

daß laut der Jubelruf

durchdringt den Wald,

und rings erschallt

von Lust der Wald!


JUNGEN

Habt Dank!


MÄDCHEN

Habt Dank!


HÄNSEL

Die Englein haben's im Traum gesagt,

in stiller Nacht,

was nun so herrlich der Tag

hat wahr gemacht.


HÄNSEL, GRETEL

Ihr Englein, die uns so treu bewacht

bei Tag und Nacht,

euch sei Lob und Dank für all' die Pracht,

die hier uns lacht,

die uns so wonnig lacht!

Habt Lob und Dank,

habt Dank für all' die Pracht!


KINDER

Habt Lob und Dank für all' die Pracht,

die hier uns lacht,

die uns so wonnig lacht!

Habt Dank, euer Leben lang!

Drum Lob und Dank sei euch

für all die Pracht,

die hier uns lacht!


(Aus dem Hintergrund ertönt

die Stimme des Vaters.)


VATER

Ral la la la, ral la la la,

wären doch uns're Kinder da!

Ral la la la, ral la la la,

Juch-hei! Da sind sie ja!




Letzte Szene




HÄNSEL, GRETEL

Vater! Mutter!


MUTTER

Kinderchen!


VATER

Da sind ja die armen Sünderchen!


(frohe Umarmung. Unterdes haben zwei

Knaben die Hexe als großen Lebkuchen aus

den Trümmern des Zauberofens gezogen.)


ALLE

Hei!


VATER

Kinder schaut das Wunder an,

wie die Hexe hexen kann,

wie sie hart, knusperhart,

selber nun zum Kuchen ward!


ALLE ANDEREN

Schaut, o schaut das Wunder an,

wie die Hexe hexen kann,

wie sie hart, knusperhart,

selber nun zum Kuchen ward!


VATER

Merkt des Himmels Strafgericht:

Böse Werke dauern nicht!

Wenn die Not aufs Höchste steigt,

Gott der Herr sich gnädig zu uns neigt!

Ja, wenn die Not aufs Höchste steigt,

Gott der Herr die Hand uns reicht!


ALLE

Wenn die Not aufs Höchste steigt,

Gott der Herr die Hand uns reicht!


(Die Kinder tanzen einen frohen

Reigen um die Gruppe. Vorhang.)




E n d e   d e r   O p e r

 
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