Bastien und Bastienne

Wolfgang Amadeus Mozart

Jednoaktová zpěvohra Bastien und Bastienne měl premiéru 1.10.1768 pravděpodobně v domě vídeňského lékaře Franze Antona Mesmera na Landstrasse ve Vídni v neznámém obsazení.
První veřejné představení se konalo 2.10.1890 v berlínském Architektenhausu a první veřejné ve Vídni 25.12.1891. Česká premiéra se konala v Brně, 14.4.1892.
Libreto napsal Johann Andreas Schachtner přepracováním německého překladu Les amours de Bastien et Bastienne od Friedricha Wilhelma Weiskerna a Johanna H. F. Müllera. Předlohu ve francouzštině napsali   Charles-Simon Favart a Harny de Guerville, jednalo se o parodii na dílo Jeana-Jacquese Roussseaua Le devin du village.
Obsah:
Venkovská krajina v době rokoka. Bastienne (soprán), jíž je Bastien (pastýř, tenor)nevěrný, prosí o radu Colase (domnělý kouzelník, bas). A Colas radí: Bastienne musí předstírat, že miluje Damona. V tom přichází Bastien a nešťastné dívce nezbývá, než se schovat v Colasově chatě. Bastien ji najde, milenci se pohádají, ale nakonec je přece jen spojí láska.
 
 
 
 

LIBRETO


INTRADA


ERSTER AUFTRITT


Die Bühne stellt ein Dorf dar, 

mit der Aussicht aufs Feld.

Bastienne allein.


Nr.  1  Arie


BASTIENNE

Mein liebster Freund hat mich 

verlassen, mit ihm ist Schlaf und 

ruh dahin.Ich wei vor leid mich 

nicht zu fassen;der Kummer schwächt

mir Aug und Sinn.Vor gram und 

schmerz erstarrt das Herz,und diese 

not bringt mir den Tod.


Rezitativ


BASTIENNE

Bastien flieht mich!Der Treulose! 

Um eines hübschen Gesichtes 

willen kehrt er mir den Rücken. 

O meine arme Liebe!


Nr.  2  Arie



BASTIENNE


Ich geh jetzt auf die Weide,Betäubt und ganz gedankenleer.

Ich seh zu meiner Freude nichts 

als mein Lämmerheer.Ach! ganz 

allein voller Pein  stets zu sein,

Bringt dem Herz 

Nur Qual und Schmerz.


ZWEITER AUFTRITT


Colas kommt von einem Hügel 

und spielt auf dem Dudelsack. 

Bastienne, Colas.


Nr.  3  Vorspiel


Nr.  4  Arie


COLAS

Befraget mich ein zartes Kind und 

sein zukünft'ges Glücke,Les ich 

das Schicksal ihm geschwind aus 

dem verliebten Blicke.

Ich sehe, blo des Liebsten 

Gunst kann zum Vergnügen taugen.

Wie leicht wird mir die Zauberkunst

bei  zwei verliebten Augen.


Rezitativ


BASTIENNE

Guten Morgen, Herr Colas! 

Wolltest du mir wohl einen  

Gefallen erweisen?


COLAS

Ja, mit Freuden,mein Herzchen. 

La hören, was verlangst du von mir?


BASTIENNE

Ich wünsche ein Mittel wider den 

verdru, der mich nagt. 

Du als ein Zauberer Kannst mir 

dasselbe unfehlbar erteilen.


COLAS

Ja, ganz gewi. Du hättest dich an 

keinen besseren wenden können. 

O potz Stern! 

Ich besitze wunderbare 

Geheimnisse, zwei schönen Augen 

gutes  Glück zu prophezeien.


BASTIENNE

Aber, Herr Colas, 

ich hab kein Geld. 

Du mut dich schon mit diesen 

Ohrbuckeln befriedigen,die ich dir 

schenke.Sie sind von klarem Golde.


COLAS

Geh, meine Tochter,

mit deinen Ohrbuckeln.


BASTIENNE

Wie? Du  willst sie verschmähen?


COLAS

Bei einem so hübschen Kinde, 

wie du bist, nehme ich mit ein paar

Busserln fürlieb.

(Er will sie umarmen)


BASTIENNE

Nicht, nicht, Herr Colas! 

Alle meine Busserl sind für 

den Bastien aufgehoben. 

Sei so gut und erlaube,da ich von 

meiner heirat mit dir rede. 

Was rätst du mir? Soll ich sterben?


COLAS

Sterben, so jung? 

Ei beileibe nicht,

das wäre ewig schade.


BASTIENNE

Aber alle Leute sagen, da 

mich Bastien verlassen  hat.


COLAS

Eh. mach dir deswegen 

keinen Kummer.


BASTIENNE

Sollte es möglich sein? 

O Glück! So hält er mich noch 

für schön.


COLAS

Er liebt dich vom 

Grunde der Seele.


BASTIENNE

Und doch ist er mir ungetreu!


COLAS

Dein Bastien ist nur ein 

wenig flatterhaft. Sei ohne 

Sorgen, mein liebes Kind! 

Deine Schönheit hält ihn fest.


BASTIENNE

Aber, wenn er einmal mein Mann 

werden sollte. O, zum Geier! 

So will ich mit keiner andern 

teilen, weit du das?


COLAS

Sei ruhig! Dein geliebter 

Gegenstand ist gar nicht 

ungetreu. 

Er liebt nur den Aufputz.


BASTIENNE

Den Aufputz? 

Hat ihn wohl jemand 

besser ausstaffiert als ich?


Nr.  5  Arie


BASTIENNE

Wenn mein Bastien einst im Scherze

Mir ein Blümchen sonst entwand,

Drang mir selbst die Lust durchs Herze,

Die er bei dem Raub empfand.

Warum wird er von Geschenken

Einer andern jetzt geblendt?

Alles, was nur zu erdenken,

Ward ihm ja von mir gegönnt.

Meiereien, Feld und Herden

Bot ich ihm mit Freuden an.

Jetzt soll ich verachtet werden,

Da ich ihm so viel getan.


Rezitativ


COLAS

O, die Edelfrau vom Schlo wei ihn noch

besser zu erpflichten. Um ihm an sich

zu ziehen, erwidert sie seine

Höflichkeiten mit den köstlichsten

Geschenken. Kann es uns wohl an 

Liebhabern fehlen, wenn man die 

Gewogenheiten bezahlt?


Nr.  6  Arie


BASTIENNE

Würd ich auch wie manche Buhlerinnen

Fremder Schmeicheleien niemals satt,

Wollt ich mir ganz leicht das Herz

gewinnen

Von den schönsten Herren aus der Stadt.

Doch nur Bastien reizt meine Triebe,

Und mit Liebe wird ein andrer nie 

belohnt.

Geht, geht, geht! sag ich,

Geht und lernt von meiner Jugend,

Da die Tugend

Auch in Schäferhütten wohnt.


Rezitativ


COLAS

Gib dich zufrieden! Ich bin Bürge für

deinen Wetterhahn. Er wird

zurückkehren, ich stehe dir dafür.

Aber du mut ir eine andere Art

angewöhnen. 

Du mut ein wenig arglistig,spahaft und

leichtsinnig erden. Ein Liebhaber wird

zur Beständigkeit nicht leichter als

durch Scherz und Fopperei gebracht.


BASTIENNE

Das wird schwer halten. Wenn ich ihn

sehe, verliere ich gleich Sprache und

Stimme. Ichschau nur, ob meine Ärmel wei sind, ob

das Krösel recht in die Falten gelegt

und das Mieder gerad eingeschnürt ist,

ob mein Rock sich wohl ausbreitet und

ob Schuh und Strümpfe sauber sind.


COLAS

Das taugt nichts, mein Kind.Einen

Unbeständigen zurecht zu bringen, mu

man selbst ein wenig flatterhaft

scheinen.Man mu sich stellen, vor dem

Liebsten zu fliehen, wenn man sich

gleich herzlich nach ihm sehnt. Schau,

das ist die rechte Art: so machen es

die Damen der Stadt.


Nr.  7  Duett


COLAS

Auf den Rat, den ich gegeben,

Sei, mein Kind, mit Flei bedacht.


BASTIENNE

Ja, ich werde mich bestreben,

Ja, mein Herr, bei Tag und Nacht.


COLAS

Wirst du mir auch dankbar leben?


BASTIENNE

Ja, mein Herr, bei Tag und Nacht.


COLAS

O, die Unschuld! dir zum Glücke

Meide jetzt die finstern Blicke,

Nimm ein muntres Wesen an.


BASTIENNE

Ja,mein Herr, so gut ich kann!


DRITTER AUFTRITT


Rezitativ


COLAS

Na, versteck dich, Bastienne!

Dort sehe ich deinen Geliebten

kommen. Na, geh nur schon!


(Bastienne ab)


Arbeit hat man mit diesen einfältigen

jungen Leuten. Dergleichen Unschuld

wird man schwerlich anderswo als auf

dem Lande finde


VIERTER AUFTRITT


(Bastien tritt auf)


Nr.  8  Arie



BASTIEN


Groen Dank dir abzustatten,

Herr Colas, ist meine Pflicht;

Du zerteilst des Zweifels Schatten

Durch den weisen Unterricht.

Ja, ich wähle die zum Gatten,

Die des Lebens Glück verspricht.

In den angebot'nen Schätzen

Ist für mich kein wahr

Ergötzen,

Bastiennes Lieblichkeit

Macht mich mehr als Gold erfreut.


Rezitativ


COLAS

Es freut mich,

da du endlich zu dir selber kommst.

Leider zu spät, mein Lieber!


BASTIEN

Zu spät? Was soll das heien?


COLAS

Das soll heien,

da man dir den Abschied gegeben hat.


Nr.  9  Arie


BASTIEN

Geh! du sagst mir eine Fabel.

Bastienne trüget nicht.

Nein, sie ist kein falscher Schnabel,

Welcher anders denkt als

spricht.

Wenn mein Mund sie herzig nennet,

Hält sie mich gewi für schön,

Und wenn sie vor Liebe brennet,

Mu die Glut von mir entstehn.


Rezitative


COLAS

Möglich!

Trotzdem hat sie bereits...


BASTIEN

...einen anderen?

Um Himmelswillen!

Woher weit du das?


COLAS

Aus meiner Kunst!


BASTIEN

Aus deiner Kunst?


COLAS

Jawohl! aus meiner Kunst!


BASTIEN

Ich bin so unglücklich,

lieber Herr Colas! Geh!

Gibt's denn gar kein Mittel,

meine kleine Bastienne

wieder zu gewinnen?


COLAS

Einen Augenblick!

Ich will einmal mein Zauberbuch

befragen.


Nr.  10  Arie


COLAS

Dggi, daggi,

Schurry, murry,

Horum, harum,

Lirum, larum,

Raudi, maudi,

Giri, gari,

Posito,

Besti, basti,

Saron, froh,

Fatto, matto,

quid pro quo.


Rezitativ


BASTIEN

Ist die Hexerei zu Ende?


COLAS

Ja, tritt nur näher!

Tröste dich!

Du wirst deine Schäferin wiedersehen.


BASTIEN

Aber dar ich sie auch anrühren?


COLAS

Ohne Zweifel,

wenn du kein Hackstock bist.

Geh!

und nimm dein wahres Glück besser in

acht als bisher.

(ab)


FÜNFTER AUFTRITT


Nr.  11  Arie


BASTIEN

Meiner Liebsten schöne Wagen


Will ich froh aufs neue sehn;

Blo ihr Reiz stillt mein Verlangen,

Gold kann ich um sie

verschmähn.

Weg mit Hoheit,

weg mit Schätzen!

Eure Pracht wirkt nicht bei mir.

Nur mein Mädchen kann ergötzen

Hundertmal noch mehr als ihr.

Wuch'rer, die bei stolzen

Trieben

Blo das Selt'ne sonst entzückt,

Würden ihre Unschuld lieben,

Schätzen sich durch sie beglückt.

Doch umsonst, hier sind die Grenzen,

Sie ist nur für mich gemacht,

Und mit kalten Reverenzen

Wird der Reichtum hier

verlacht.


SECHSTER AUFTRITT


(Bastienne tritt auf)


Rezitativ


BASTIEN

Bastienne!


(Bastienne schweigt)


Ja, warum redest du nicht?

Warum sprichst du nicht

zu mir? Bin ich denn nicht dein

geliebter Bastien?


BASTIENNE

O nein! Der bist du nimmer!


Nr.  12  Arie


BASTIENNE

Er war mir sonst treu und ergeben,

Mich liebte Bastien allein,

Mein Herze nur war sein

Bestreben,

Nur ich, sonst niemand nahm ihn ein.

Das schönste Bild gefiel  ihm nicht,

Auf mich nur war sein Blick gericht,

Ich konnt vor andern allen

Ihn reizen, ihm gefallen.

Auch Damen wurden nicht geschätzt,

Die oft sein Blick in Glut

gesetzt.

Wenn sie Geschenke gaben,

Mut ich dieselben haben;

Mich liebte er,

nur mich allein.

Doch nun will er sich andern weihn,

Vergebens ist jetzt meine Liebe.

Mein Liebster, der sich mir entreit,Verbittert die sonst süen Triebe

Und wird ein Flattergeist.


Rezitativ


BASTIEN

Aber schau, Bastienne!

Ich bin doch gar kein Flattergeist.

Niemand kann dich so ehrlich liebhaben

wie ich!


BASTIENNE

Du mich liebhaben?

Und das soll ich dir glauben?


BASTIEN

Gut, wenn du eigensinnig bist,

so mache, was du willst!


Nr.  13  Arie


BASTIEN

Geh hin!

Dein Trotz soll mich nicht schrecken.

Ich lauf aufs Schlo,

Das schwör ich dir,

Und will der Edelfrau entdecken,

Mein Herz gehöre gänzlich ihr.

Lät sie wie sonst sich zärtlich

finden,

Will ich mich gleich mit ihr

verbinden.


BASTIENNE

Ich will!

Ich will mich in die Stadt begeben,

Anbeter treff ich da leicht an:

Wie eine Dam'will ich dort leben,

Die hundert Herren fesseln

kann.


BASTIEN

Ich werd in Gold und Silber prahlen,

Und eine Liebste voller Pracht

Wird die Gewogenheit bezahlen,

Wodurch mein Blick sie glücklich

macht.

Mir ihre Schätze zu verbinden,

Soll sie mich gar nicht spröde

finden.


BASTIENNE

Den Schönen sind die Kostbarkeiten

In Städten zu erwerben leicht.

Es braucht, um selbe zu erbeuten,

Nichts,

als da man sich freundlich neigt.


Nr.  14  Rezitativ


BASTIEN


Dein Trotz vermehrt sich durch mein

Leiden?

Wohlan! den Augenblick

Hol ich zu deinen Freuden

Mir Messer, Dolch und Strick.


BASTIENNE

Viel Glück!


BASTIEN

Ich geh mich zu erhängen.

Ich lauf, ohn'alle Gnad,

Im Bach mich zu ertränken.


BASTIENNE

Viel Glück zum kalten Bad!


Dialog


BASTIEN

(für sich)

Und sollte ich wohl ein solcher Narr

sein, mich ins Wasser zu stürzen?


BASTIENNE

Was ist's? Was hält dich denn auf?


BASTIEN

Nichts.Ich überlege nur,

da ich ein schlechter Schwimmer bin;

und dann, da ich vor meinem Ende noch

mit dir reden mu.


BASTIENNE

Mit mir reden?

Nein, ich höre dich nicht mehr.


Nr.  15  Duett


BASTIENNE

Geh! Herz von Flandern!

Such nur bei andern

Zärtlich verliebt Gehör,

Denn dich, denn dich

Lieb ich nicht mehr.


BASTIEN

Wohl, ich will sterben;

Denn zum Verderben

Zeigt mir dein Ha die Spur;

Drum la ich Dorf und Flur.


BASTIENNE

Falscher! Du fliehest?


BASTIEN

Ja, wie du siehest.

Weil dich ein andrer nimmt,

Ist schon mein Tod bestimmt.

Ich bin mir selbst zur Qual,

Kein Knecht von dem Rival.


BASTIENNE

Bastien! Bastien!


BASTIEN

Wie? du rufst mich?


BASTIENNE

Du irrest dich.

In deinem Blick

Wird nun mein Glück

Nicht mehr gefunden.


BASTIEN

Wo ist die süe Zeit,

Da dich mein Scherz erfreut?


BASTIEN, BASTIENNE

Sie ist anjetzt verschwunden,

Geh! falsche Seele!

Fort! ich erwähle

Für meine zarte Hand

Ein andres Eheband.

Wechsel im Lieben

Tilgt das Betrüben

Und  reizet, wie man sieht,

Zur Lust den Appetit.


BASTIEN

Doch wenn du wolltest...


BASTIENNE

Doch wenn du solltest...


BASTIEN

Schatz mich noch nennen...


BASTIENNE

Dies Herz erkennen...




BASTIEN, BASTIENNE


Wär meine Zärtlichkeit

Aufs neue dir geweiht.


BASTIEN

Ich bliebe dein allein.


BASTIENNE

Ich würde dein auf ewig sein.


BASTIEN

Gib mir zu meinem Glück

Dein Herz zurück,

Umarme mich,

Nur dich lieb ich.


BASTIENNE


O Lust, o Lust

Für die entflammte Brust!


BASTIENNE, BASTIEN

Komm, nimm aufs neue

Neigung und Treue!

Ich schwör dem Wechsel ab

Und lieb dich bis ins Grab.

Wir sind versöhnet,

Die Liebe krönet

Uns nach dem bangen Streit

Durch treue Zärtlichkeit.


SIEBENTER  AUFTRITT

(Colas tritt auf)


Nr.  16  Terzett


COLAS

Kinder! Kinder!

Seht, nach Sturm und Regen

Wird ein schöner Tag gebracht,

Euer Glück soll nichts bewegen;

Dankt dies meiner Zaubermacht.

Auf! auf! gebt euch die Hand!

Knüpft die Seelen und die Herzen!

Nichts von Schmerzen

Werd euch je bekannt.


BASTIEN, BASTIENNE

Lustig! lustig!

Preist die Zaubereien

Von Colas, dem weisen Mann!

Uns vom Kummer zu befreien,

Hat er Wunder heut'getan.

Auf! auf! stimmt sein Lob an!

Er stift'unsre Hochzeitsfeier.

O, zum Geier, welch trefflicher Mann!


BASTIEN, BASTIENNE

Auf! auf! stimmt sein Lob an! usw.


 


Konec

 
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